Malta-Reise in Eigeninitiative

"Hilf mir, es selbst zu tun." So lautet ein Grundsatz der Montessoripädagogik. Und so entstand auch die Idee, die Schüler der 8. Klasse der Montessorischule Hohenbrunn ihre Sprachreise nach Malta zum größten Teil selbst finanzieren zu lassen. Jedes Jahr gab es bisher für die Acht- und Neuntklässler die Möglichkeit, zwei Wochen nach England zu fahren – eine gute Gelegenheit, die Englischkenntnisse aktiv anzuwenden und zu verbessern. Da der Englischlehrer, Mr. Parr, der diese Reise in der Vergangenheit organisiert hatte, sich dieses Schuljahr im „Sabbatical Year“ befindet, musste eine Alternative gefunden werden.

Heiko Drube und Karl-Dieter Hagedorn, die Klassenlehrer, hatten die Idee, dass die Schüler innerhalb eines Projektjahres einen möglichst hohen Anteil an den Reisekosten – immerhin rund 750 Euro pro Schüler – selbst verdienen sollten. Die Wahl fiel auf Malta, da Englisch dort neben Maltesisch Staatssprache ist. Zudem hatte Heiko Drube bereits Kontakte zu einem renommierten Spracheninstitut, und die Reise kam insgesamt kostengünstiger als die Reise nach England.

Während einer "Wirtschaftswoche" vom 5. bis 11. November 2012 arbeiteten die Schülerinnen und Schüler gegen eine Spende beispielsweise im Baumarkt, beim Schreiner, in der Verwaltung der Gemeinde Grasbrunn, in einer Metzgerei, in einer Bäckerei, als Gärtner oder in der Landwirtschaft. Ein besonders schönes Beispiel für Eigeninitiative und Kreativität gab ein Schüler, der sich als Chocolatier betätigte und Pralinen verschiedenster Sorte und erlesensten Geschmacks selbstständig herstellte. Er verkaufte diese am "Tag der offenen Tür" der Montessorischule Hohenbrunn sowie auf Weihnachtsmärkten und konnte sich vor Bestellungen kaum retten. Um seine Produktion erhöhen zu können, musste er unternehmerisch tätig werden und zwei Mitschülerinnen „einstellen“.

Durch die praktischen Erfahrungen während der Wirtschaftswoche erhielten die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in unternehmerisches Handeln, lernten, wie man die Ware "an den Mann" bringen muss. Am Anfang stand die Idee – doch wie kann man diese umsetzen? Rohstoffe für die Produkte mussten eingekauft werden – was dürfen sie kosten? Wie berechnet man den Verkaufspreis, damit ein Gewinn erzielt wird? Wie wirbt man für ein Produkt? Wie viel Freizeit muss man einsetzen, um das Produkt zu erstellen und zu verkaufen oder die eigenen Dienste anzubieten? Natürlich benötigt ein guter Geschäftsmann bzw. eine gute Geschäftsfrau auch die entsprechende Werbung. Also erstellten die Jugendlichen einen Flyer, in dem sie ihre Dienste anboten: So haben sie in den Nachbargärten der Schule Laub zusammengerecht oder ein Hochbeet angelegt. Wie breit gefächert das Spektrum der Dienstleistungen ist, zeigt auch das Engagement einer Schülerin, die jeden Freitag in einem Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt in Ottobrunn bei der Essensausgabe hilft und anschließend Demenzkranke mit Spielen oder Erzählungen unterhält. Außerdem veranstalteten die Jugendlichen am Tag der offenen Tür eine Tombola und verkauften auf dem Hohenbrunner Weihnachtsmarkt am Stand der Schule Sachspenden. Insgesamt sind so bereits 6000 Euro zusammengekommen.

Aber die Aktionen gehen weiter: Während der "Muffinstage" jeweils mittwochs oder donnerstags, bringen die Achtklässler gebackene Muffins von zu Hause mit, die dann in der zweiten Pause für 60 Cent verkauft werden. Und im Auftrag der Gemeinde Hohenbrunn werden die Schüler zusammen mit dem Förster Karl Martin Einwanger im Wald des Munitionsdepots des Ortes die nicht mehr benötigten Zäune gegen Wildverbiss einsammeln. Dafür erhalten sie vom Hohenbrunner Bürgermeister Dr. Stefan Straßmair eine Spende, was eine größere Summe in die Reisekasse fließen lassen sollte. Wenn es dann Mitte April endlich losgeht nach Malta, können die Schülerinnen und Schüler der achten Klasse zu Recht stolz auf sich sein.

Text: Anissa Nasser, Fotos: Heiko Drube