Vom Anfang aller Dinge

Kosmische Erzählungen in der Primarstufe

War der Urknall gar kein Knall? Und was war davor? Eine Antwort auf diese und weitere Fragen erhielten die Kinder der Primarstufe, als sie am Montag, 22.01.2018, gebannt der Erzählung von der Entstehung des Universums lauschten. Sphärische Klänge stimmten die jungen Gäste beim Betreten der Turnhalle auf das Thema ein, während sie auf Bänken und Stühlen wie in einem Amphitheater ihre Plätze einnahmen. Dann ging es endlich los: Frau Schröer erzählt von Gott, der nach und nach alles erschaffen hat und dessen Gesetzen alles gehorcht – die leblosen Dinge genauso wie die lebendigen. Eine Stecknadel, oben in ein wolkenförmiges schwarzes Tuch gesteckt, das Frau Heimerl nach und nach auf dem Boden ausrollt, symbolisiert den Anfang, den Urknall. Heller Sand stellt die einzelnen Etappen in der Entwicklung des Universums dar, das sich seit dem Urknall stetig und mit unvorstellbarer Geschwindigkeit ausdehnt. Zeit, Raum und Materie entstehen. Die Materie fügt sich zu Sternen, durch Murmeln dargestellt, zusammen, diese sammeln sich in Gruppen, die Galaxien genannt werden. Von den Sternen angezogen wandern kleinere Himmelskörper um diese herum. Sie werden Planeten genannt, was „Wanderer“ bedeutet. Ein solcher Wanderer ist auch unsere Erde.

 

Wie unsere Erde entstanden ist, erfahren wir am folgenden Tag. Eine Menge Experimente haben Frau Eigner und Frau Meier vorbereitet: Eiswürfel schmelzen zu Wasser, verdunsten und schlagen sich als Wasserdampf an einem Topfdeckel nieder – ein Kreislauf, wie Lennart aus der 4P feststellt. Dass flüssige Teilchen nicht so fest zusammenhalten wie feste, erkennen wir daran, dass wir unsere Hand in Wasser tauchen, aber nicht durch einen Stein ziehen können. Manche Teilchen ziehen sich an, andere aber stoßen sich ab. Salz und Wasser etwa ergeben eine Salzlösung. Sand und Eisenspäne hingegen kann man mit einem Magneten gut wieder voneinander trennen. Als sich über der Erde eine dünne Haut gebildet hatte, so wie wir das von abkühlender Milch oder Pudding kennen, waren die Elemente darunter noch sehr heiß und fühlten sich eingesperrt. So zerrissen sie die Haut und quollen mit enormem Druck hervor. Die Luft knistert vor Spannung, als wir auf die Eruption des Vulkans warten. Nach gut neun Minuten, durchbricht ein lauter Knall die angespannte Stille: Eine rote Fontäne spritzt aus dem Vulkankolben, Seramissteinchen fliegen durch die Turnhalle. Allmählich kühlte die Erde weiter ab und das Wasser, das durch die Vulkanausbrüche verdampft war, konnte zur Erde zurückkehren. Der Regen füllte alle Vertiefungen, die Ozeane und Meere bildeten sich. Wie schließlich das Leben auf der Erde entstand, ist eine andere Geschichte.

Auf die Erzählung von der Entstehung des Lebens freuen wir uns im April. Bis dahin können wir mithilfe der Materialien in unserem neu eingerichteten kosmischen Raum zu Forschern und Entdeckern werden, uns mit dem Kontinentaldrift und dem Feuergürtel näher befassen und zu richtigen Vulkanologen entwickeln. Denn kosmische Erziehung ist „ein kreatives Experimentieren des Einzelnen (…) sie beantwortet das, was ein Kind im Alter von sechs bis zwölf Jahren in seiner Entwicklung braucht.“ (Grazzini, Camillo [2006]: Kosmische Erziehung in der Grundschule und Rolle der Materialien. Zitiert nach Horst Schaub: Kosmische Erziehung in der Montessori-Pädagogik, Band 1: 15. Freiburg: Herder.)

 

Im Rahmen unserer neuen kosmischen Reihe folgen im Juni und Juli die Erzählung der Pflanzen, Vom Kommen des Menschen, Von der Entwicklung der Zahlen und schließlich Von der Entstehung der Schrift. Damit wollen wir den Kindern die Welt als ein Ganzes nahebringen, sie zu verantwortungsvollem Handeln gegenüber ihrer Umwelt anleiten sowie zum Einsatz für das Höchste aller Güter, den Frieden in der Welt, denn:

 

“Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr, der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten.
Er braucht Menschen mit Zivilcourage, bereit, sich dafür einzusetzen, die Welt lebenswert und menschlich zu gestalten.
Diese Qualitäten haben wenig mit der Art Erfolg zu tun, die in unseren Kulturen verbreitet ist.“
(Dalai Lama)