Präsentation der „Großen Arbeit“  2017 in der Montessorischule Hohenbrunn

Aus eigenem Interesse

Der erste Donnerstag im Oktober, Montessorischule Hohenbrunn: Die Schüler der neunten Jahrgangsstufe haben ihren Auftritt, wenn sie ihre Facharbeit vor großem Publikum präsentieren.
Die „Große Arbeit“ markiert einen Meilenstein in der Montessoripädagogik. Sie ist das Ergebnis intensiver Beschäftigung mit einem selbstgewählten Thema und beinhaltet neben der theoretischen Auseinandersetzung auch eine praktische Umsetzung. Jeder Schüler präsentiert seine Arbeit an diesem Abend sowohl mit einem Ausstellungsstand als auch mit einem Vortrag – am Rednerpult im Rampenlicht.

Eltern, Lehrer, Mitschüler und weitere Interessierte, darunter wie in jedem Jahr auch wieder Anton Schonlau, ehemaliger Schulamtsleiter des Landkreises München, hörten am Donnerstag an die dreißig Vorträge zu Themen, die so verschieden waren wie die Schüler selbst. Die Bandbreite reichte von persönlichen Hobbies und Interessen über Wissenschaft und Technik bis Sport und Kunst. Auch der Klimawandel mit dem Abschmelzen der Gletscher war ein Thema.

Und hier die Chronologie der Ereignisse...

Der Abend beginnt mit einer Begrüßung durch die Schulleitung, die Klassenlehrerin und die Schülervertreter. Dann geht es los: siebenundzwanzig Vorträge, ausgeleuchtet und schallmäßig verstärkt vom Technikteam.

1. Goldschmied
Elisabeth stellt uns ein Handwerk vor, das Übung, Geschick und Kreativität erfordert, um eine Vielzahl verschiedener Schmuckstücke zu fertigen. Sie erklärt uns Art und Verwendung der verschiedenen Werkzeuge und erläutert die Arbeitsschritte. Als praktischen Teil hat sie einen Anhänger gefertigt.

2. Hundesport Agility
Sonja ist durch ihre kleine Schwester auf das Thema gekommen. Da Hunde heutzutage oft zu wenig Auslauf haben, ist Hundesport ein guter Ausgleich für Hund und Halter. Bei Agility muss der Hund unter Anleitung des Halters einen Hindernisparcours bewältigen. Als praktischen Teil hat Sonja einen Hindernislauf mit ihrem Hund gefilmt.

3. Rap
Stefano erklärt uns Rap als Sprechgesang, dessen Wurzeln schon in Westafrika liegen, der aber erst in den 1970er Jahren als Teil der Hiphop-Kultur große Verbreitung gefunden hat. Er skizziert die Entwicklung der Inhalte und der verschiedenen Techniken. Als praktischen Teil hat er selbst einen Raptext verfasst.

4. Der Mond
Louisas Thema ist der Mond: wie er aus der Kollision eines Asteroiden mit der Erde entstanden ist, wie er die Gezeiten auf der Erde beeinflusst und wie er über die Jahrhunderte immer genauer erforscht worden ist. Als praktischen Teil hat sie das Modell einer Mondlandschaft gebaut.

5. Träume
Julia referiert über Träume, als Äußerung des Unbewussten und Unterdrückten, als Aufarbeiten von Themen des Tages. Sie geht auf Traumdeutung ein. Als praktischen Teil hat sie ein Traumtagebuch geführt.

6. Fantasyliteratur
Melanie zeichnet die Entwicklung der Fantasyliteratur von Sagen über Edgar Allen Poe bis zu J.R.R. Tolkien. Sie geht auch auf die Gefahr der Realitätsflucht ein. Als praktischen Teil hat sie selbst einen Fantasyroman geschrieben.

7. Aortenisthmusstenose
Jonas stellt sein Thema als ehemals Betroffener vor: Eine Verengung der Aorta führt zu einer Sauerstoffunterversorgung. Dieser angeborene Herzfehler kann auf verschiedene Weisen operativ behoben werden. Als praktischen Teil hat er einen Interviewfragebogen entwickelt.

8. Milena spricht über die Klimaerwärmung, den Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung, Meeresströmen und Vulkanausbrüchen. Die Folgen der Klimaerwärmung betreffen Landwirtschaft, Tierwelt und Pflanzen. Als praktischen Teil hat sie ein Gletschermodell gebaut, an dem sie den allmählichen Rückgang bis zum völligen Verschwinden veranschaulicht.

9. Forsttechnik
Kilian zeigt uns verschiedene Arten des Holztransports früher und heute. Er stellt uns den Harvester als moderne Universalmaschine für die Forstwirtschaft vor. Als praktischen Teil hat er mit seinem Vater einen alten Unimog restauriert.

10. 501st Legion
Nevio stellt uns einen internationalen Club von „Star Wars“-Fans vor, die originalgetreue Kostüme der bösen Sturmtruppen tragen. Dieses Hobby wird unter dem Motto „bad guys doing good“ für den guten Zweck eingesetzt, wenn die derart Kostümierten Kinder in Spitälern aufmuntern – obwohl sie doch als die Bösen verkleidet sind. Als praktischen Teil hat er sich ein Stormtroopers-Kostüm aus einem Bausatz gebaut.

11. Computerviren
Michael erklärt uns verschiedene Arten von Schadprogrammen und die Bedrohungen, die von ihnen ausgehen. Weiters gibt er Tipps zum Schutz. Als praktischen Teil hat er ein Interview mit einem IT-Sicherheitsexperten geführt.

12. M.C. Escher
Lea bringt uns den niederländischen Maler M.C. Escher näher, der durch seine Darstellung physikalisch unmöglicher Figuren und Szenerien bekannt geworden ist. Sie zeichnet seine Biographie nach, erklärt uns anhand seines Bildes „Belvedere“ seine Motive und seine Technik. Als praktischen Teil hat sie ein Bild von M.C. Escher detailgenau abgezeichnet.

13. Luzides Träumen
Pablo erklärt uns luzides Träumen als steuerbaren bewussten Traum. Praktische Anwendung findet es z.B. in der Psychotherapie oder im Sporttraining. Lernen kann man es u.a. durch das Führen eines Traumtagebuchs und durch das Einüben von Realitätschecks, mittels derer man erkennt, ob man sich gerade in einem Traum befindet. Als praktischen Teil hat er einen Fragebogen erstellt und Traumberichte gesammelt.

14. Kreuzfahrtschiffe
Fabian hält seinen Vortrag über Kreuzfahrtschiffe und eine Werft, in der sie gebaut werden. Wir erfahren, wie die Schiffe gebaut und ans Meer transportiert werden, aber auch, dass sie aufgrund ihrer Schwerölmotoren zu den größten Umweltverschmutzern gehören.

15. Cheerleading
Roxana zeigt uns die Entwicklung des Cheerleadings bei Sportwettkämpfen. Entgegen gängiger Klischees sind in vielen Gruppen auch Männer beteiligt für kraftintensive Figuren. Als praktischen Teil hat sie eine eigene Choreographie entwickelt, die sie uns mit ihrer Gruppe sehr dynamisch vorführt.

16. Samurai
Jakob hat sich mit den japanischen Samuraikriegern beschäftigt. Den Mythos vom edlen gerechten Krieger verweist er eher ins Reich der Legende, wiewohl es einen festen Verhaltenskodex gab. Ähnliches gilt für den Mythos vom Schwert. Als praktischen Teil hat er eine Samurairüstung nachgebaut, die im Gegensatz zu den europäischen Ritterrüstungen mehr auf Beweglichkeit ausgelegt war.

17. Tourette-Syndrom
Zoe erklärt uns das Tourette-Syndrom, eine psychische Störung, die sich äußerlich in körperlichen und sprachlichen Tics zeigt. Sie geht auf Erklärungsmodelle zur Entstehung ein und zeigt uns ein Video mit typischen Tics. Als praktischen Teil hat sie eine psychiatrische Ambulanz besucht und dort Interviews geführt.

18. Dart
Luis erzählt von der Entstehung des Dartsports in England, erklärt die Regeln und den Aufbau der Scheibe und Pfeile, er stellt einige bekannte Dartsportler vor. Als praktischen Teil hat er selbst ein komplettes Dartboard gebaut, das man in der Pause ausprobieren kann.

19. Prothesenbau
Hans hat sich mit Prothesen beschäftigt: von den Anfängen im alten Ägypten bis zu modernen Konstruktionen. Diese können innerlich z.B. Herzklappen oder Hüftgelenke ersetzen oder äußerlich ganze Gliedmaßen. Sogar Tieren kann mit Prothesen geholfen werden. Als Praktikum hat er bei einem Prothesenhersteller eine Beinprothese gebaut.

20. Klassenzimmer unter Segeln
Lotte erzählt uns von einem Segelschoner von 1930, auf dem Schüler sechs Monate auf See sind. Im Projekt „Klassenzimmer unter Segeln“ der Universität Erlangen lernen die Schüler nicht nur Schulstoff, sondern auch Zusammenhalt und Verantwortung. Als praktischen Teil hat sie Interviews mit dem Kapitän, der pädagogischen Verantwortlichen und einer Schülerin geführt.

21. Monet und der Impressionismus
Lisa öffnet die Augen für den Impressionismus und seine künstlerische Neuerung: Malen in der Natur mit der Wirkung des Lichts, wie es nicht nur den Künstler sondern auch den Betrachter fordert. Sie geht auf Claude Monet als den bekanntesten Exponenten ein, zeigt einige seiner berühmten Werke. Als praktischen Teil hat sie ganz im Geiste Monets denselben Platz in ihrem Garten zu verschiedenen Tageszeiten fotografiert.

22. Humor
Isabell stellt Humor als heilende Kraft vor, die Schmerzen und Sorgen lindert. Kinder lachen noch viel mehr als Erwachsene... Humorfähigkeit lässt sich trainieren und fördert sowohl die Kreativität als auch die Distanzierung von Unangenehmem. Gegen die Welt lachen heißt, andere auszulachen. Mit der Welt lachen heißt, gemeinsam Freude zu empfinden. Isabells Appell: mehr mit der Welt lachen! Als praktischen Teil hat sie einen Tag lang die Klinikclowns begleitet.

23. Brücken
Valentin hat sich mit Brücken beschäftigt. Er erklärt uns die Entwicklung von Brücken seit Jahrtausenden, die Baustoffe und Konstruktionselemente. Und er zeigt uns, welche Arten von Brücken je nach Einsatzzweck und Umgebung eingesetzt werden. Als praktischen Teil hat er ein Brückenmodell aus Papier gebaut.

24. Drogen
Sophia weist auf die Gefahren von Drogen hin, erklärt illegale Substanzen natürlichen oder synthetischen Ursprungs und den Schmuggel. An zwei Beispielen erläutert sie die oft verheerende Wirkung der Substanzen. Als praktischen Teil hat sie Gespräche mit einer Ärztin, einer früheren Süchtigen und einem Kriminalpolizisten geführt.

25. Van Gogh
Angelina zeichnet den Werdegang Vincent Van Goghs nach: seine Herkunft und Ausbildung, psychische Erkrankung und Missbrauch von Drogen. Aber sie taucht auch ein in seine eigene revolutionäre Malweise, seine besondere Pinselführung, die beeindruckend andere Sichten der Welt schafft, die auch heute noch herausragend wirken. Als praktischen Teil hat sie eines seiner berühmten Bilder nachgemalt.

26. Sterne
Emily schaut in die Sterne. Sie erklärt uns, wie ein Stern entsteht, wie in seinem Inneren die gewaltige Energie erzeugt wird und wie ein Stern zum Weißen Zwerg oder zum Schwarzen Loch wird. Sie zeigt die Milchstraße als unsere Heimatgalaxie. Als praktischen Teil hat sie ein Modell gebaut, das den Aufbau eines Sterns und die Größenverhältnisse veranschaulicht.

27. Kurt Cobain
Vivian erzählt vom Leben des Musikers Kurt Cobain, der Seattle und Grunge bekannt werden ließ: seine familiäre Situation, seine ersten musikalischen Versuche und der Durchbruch mit Nirvana, die Flucht vor dem Ruhm in den Drogenkonsum bis hin zum Selbstmord. Als praktischen Teil hat sie ein Modell des Tatorts angefertigt.

Nach den Vorträgen folgen abschließende Worte vom Vorstand des Trägervereins und der traditionelle Cocktail vom Elternbeirat für die Schüler. Die Schulleitung freute sich besonders über die Anwesenheit des früheren Schulamtsleiters Anton Schonlau, der sich seit Jahren immer wieder begeistert zeigt von der Präsentation der Facharbeiten.

So war die Veranstaltung ein Höhepunkt für die Montessoripädagogik und ganz besonders für die jungen Menschen, die diesen Abend zu dem ihren gemacht haben.

Text: bj
Fotos: bj & ma