Präsentation der Facharbeiten 2016 in der Montessorischule Hohenbrunn

Große Arbeit

Jedes Jahr im Oktober gibt es in Riemerling ein Aushängeschild erfolgreicher Montessoripädagogik zu sehen: Im Turnsaal der Montessorischule Hohenbrunn präsentieren die Schüler der neunten Jahrgangsstufe ihre Facharbeiten.
Angstfrei lernen und Selbständigkeit entwickeln: das ist eine zentrale Leitlinie in dieser Schule, und letzten Donnerstag konnte man das Ergebnis live erleben.
Die Große Montessoriarbeit ist das Ergebnis mehrmonatiger Beschäftigung mit einem selbstgewählten Thema und beinhaltet neben der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema auch eine praktische Umsetzung.
Jeder Schüler präsentiert sein Thema an einem eigenen Stand, insbesondere aber am Rednerpult im Rampenlicht vor mehreren hundert Zuhörern. Eltern, Lehrer, Mitschüler und weitere Interessierte hören über dreißig Vorträge zu Themen, die so verschieden und individuell sind wie die Schüler selbst. Die Bandbreite reicht von persönlichen Hobbies und Interessen, von Wissenschaft, Technik, Sport und Kunst bis zu engagierten Themen in den Bereichen Umwelt, verantwortungsvolles Handeln und Menschlichkeit. Gleich mehrere Vorträge zeigen über das Thema hinaus noch Möglichkeiten zu eigenem Handeln auf.

Und hier die Chronologie der Ereignisse...

Der Abend beginnt mit einer Begrüßung durch die Schulleitung, die Klassenlehrerin und die Schülervertreter. Dann geht es los: einunddreißig Vorträge, ausgeleuchtet und schallmäßig verstärkt vom Technikteam.

1. Fotografie
Hannah fotografiert selbst und zeichnet die Entwicklung der Fotografie von der Camera Obscura bis zu modernen Digitalkameras nach. Als praktischen Teil hat sie ein Fotobuch mit eigenen Aufnahmen aus der Höllenbachklamm bei Garmisch gestaltet.

2. Indisches Essen
Luise bringt uns die Vielfalt Indiens am Beispiel des Essens näher. Sie erklärt, wie in verschiedenen Regionen gekocht wird und welche Rolle die Gewürze spielen. Als praktischen Teil hat sie ein indisches Menü zubereitet und Naanbrot gebacken.

3. Voltigieren
Lea betreibt Voltigieren im Verein. Dieses "Turnen am Pferd" ist schon für Kinder ab fünf Jahren geeignet. Dabei kommt es auf das gute Zusammenspiel von Longenführer, Pferd und Voltigierer an. In der Renaissance war das Voltigieren neben Fechten und Reiten eine der noblen Sportarten. In ihrer Vorführung zeigt sie uns einige Übungen, wie sie sonst am echten Pferd gemacht werden.

4. Theater
Lola trägt einen kurzen Abriß der historischen Entwicklung des Theaters vor. Sie hat sich mit den verschiedenen Berufen am Theater beschäftigt und wie sie zusammenspielen. Als praktischen Teil das Modell eines Bühnenbilds gebaut.

5. Nurflügler
Johann erklärt uns Nurflügler als die theoretisch reinste Form eines Flugzeugs, nur Flügel ohne Rumpf. Zugleich liegt darin die schwierige Beherrschbarkeit begründet. Nach bahnbrechenden Versuchsflugzeugen in den 1940er und 1950er Jahren erlosch daher das Interesse daran, bis Ende der 1970er Jahren die hervorragenden Stealth-Eigenschaften neue Konstruktion anregten. Er hat einen Modellnurflügler selbst gebaut.

6. Wattenmeer
Daniel stellt das norddeutsche Wattenmeer vor. Im Schlick zwischen den Gezeiten existiert eine besondere Artenvielfalt, deshalb wurde es 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Er hat beim Praktikum auf Sylt selbst Wattenwanderungen geführt und zeigt auf, wie der Tourismus eine Geldquelle zur Erhaltung dieses Naturraums ist und zugleich eine Gefährdung. Im praktischen Teil hat er eine Modellansicht des Wattenmeers gebaut.

7. Aquarell
Magdalena malt gern, vor allem Aquarelle. Sie hat ein Praktikum in einem Künstleratelier gemacht und dort Bilder gemalt, deren Wirkung sie uns erklärt. Außerdem zeigt sie, wie die Wahl verschiedener Farben die Stimmung des Bildes prägt.

8. Malediven
Maya stellt uns die Malediven vor als ein Paradies, das aufgrund des Klimawandels im Meer zu versinken droht. Sie schildert die geografische, politische und wirtschaftliche Lage der Inseln, auf denen der Tourismus in den 1970er Jahren begann und inzwischen 75% des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Durch steigende Wassertemperaturen sind die Korallenriffe bedroht. Maya ruft zu mehr Umweltbewußtsein gegen den Klimawandel auf.

9. Gitarre
Beatrice spricht über Aufbau und Geschichte der Gitarre, erklärt die Tonentstehung durch Saite und Korpus und was die Unterschiede zwischen den verschiedenen Gitarrentypen ausmacht. Sie spielt selbst Gitarre, was sie mit zwei einstudierten Liedern auf der Konzertgitarre unter Beweis stellt.

10. Kung Fu
Sky trainiert viermal in der Woche Kung Fu. Wir erfahren von ihm die Geschichte dieses Sports, der auf einen buddhistischen Mönch zurückgeht, der von Indien nach China kam und Kung Fu als körperliche Ergänzung zur geistigen Beschäftigung entwickelte. Von den über dreihundert verschiedenen Stilen hat es ihm Choe Le Fat angetan, das er als vielseitigen Stil beschreibt. Und das führt er dann auch gekonnt vor.

11. Aufbau des Armes
Lukas will später einmal Physiotherapeut werden. Für seine Facharbeit hat er sich mit dem Aufbau des menschlichen Armes beschäftigt und zeigt uns die Funktionsweise der Muskeln, Sehnen und Gelenke. Aus Holz hat er einige Gelenke anschaulich nachgebaut.

12. Quad
Sarah fährt Quad. Das sind vierrädrige Gefährte, die einerseits als Spaßgeräte dienen, andererseits als Arbeitsfahrzeuge in der Forstwirtschaft genutzt werden. Als praktischen Teil hat sie das Wechseln der Radlager am eigenen Quad dokumentiert.

13. Horrorfilm
Shawna ist Fan von Horrorfilmen, von den expressionistischen Horrorfilmen der 1920er Jahre über italienische Splatterfilme der 1970er Jahre bis zur Horrorfilmen mit außerirdischen Monstern. Sie hat selbst einen kleinen Horrorfilm geschrieben und mit Freunden umgesetzt, dazu hat sie auch entsprechende Masken geschminkt.

14. Sierra Leone
Kadijah stellt uns ihr Heimatland Sierra Leone vor: Geschichte, Geografie, Bevölkerung. Sie ist mit ihrer Familie Anfang des Jahres nach Deutschland gekommen und an der Schule aufgenommen worden. Ihren Vortrag hält sie auf Englisch, weil ihr Deutsch noch nicht so sicher ist.

15. Islandponys
Emily liebt Islandponys. Sie erklärt uns die verschiedenen Arten und die spezielle Gangart "Tölten", eine Art Zwischending zwischen Trab und Galopp, die typisch für diese Pferderasse ist. Als praktischen Teil hat sie eine Reitprüfung für Tölten abgelegt.

16. WWF
Antonia stellt uns den World Wildlife Fund und einige seiner Projekte in Deutschland vor. Sie ist nicht nur selbst Mitglied des WWF, sondern hat als praktischen Teil ihrer Arbeit Lernmaterialien für die Primarstufe entwickelt, mit denen Kinder etwas über die bedrohte Tierwelt lernen können!

17. Schwabing
Laura erzählt von Schwabing. Der Münchner Stadtteil war vom 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert ein Treffpunkt der Boheme und der Künstler. In den 1960er Jahren waren die Schwabinger Krawalle Vorboten der Studentenbewegung. Und mit Englischem Garten und weiteren Parks ist es auch einer der grünsten Stadtteile.

18. Science-Fiction-Film
Homer mag Science-Fiction-Filme. Er beginnt seinen Vortrag zu "Also sprach Zarathustra", das die Eröffnungssequenz des berühmten "2001 -- Odyssee im Weltraum" untermalt. Es folgt ein geschichtlicher Überblick und die Entstehung seines eigenen kleinen Films.

19. Vertical Farming
Tim erklärt uns Vertical Farming als eine Idee zur Lösung der Welternährungsprobleme. Der Nahrungsmittelbedarf steigt, aber es stehen nicht mehr Anbauflächen zur Verfügung, deshalb sollen hier die Pflanzen in Gebäuden auf mehreren Stockwerken gedeihen, mit rotem Licht statt Sonne. Durch das geschlossene System geht zwar das eingesetzte Wasser nicht durch Verdunstung verloren, und Dünger wird überhaupt nicht benötigt. Problem ist aber der hohe Stromverbrauch für das Licht, der aus erneuerbaren Energien gedeckt werden soll.

20. Bienen
Elias greift in seinem Vortrag ebenso ein aktuelles Umweltthema auf: Bienen, ihre Bedeutung für die Pflanzen, die alte Tradition des Imkerhandwerks, der hohe Wert der Bienen, der sich in drakonischen Strafen für Bienendiebstahl zeigte...aber auch der Mensch als größter Feind der Bienen. Denn Monokulturen und Pestizide gefährden Bienen, zumal wenn gesetzliche Grenzwerte gelockert würden. Er zeigt auf, was jeder für die Bienen tun kann: einen Bienenkasten bauen.

21. Inkas
Simon erzählt von Religion, Hochkultur und Zweiklassengesellschaft der Inkas, aber auch, wie das Land durch spanische Eroberer unterworfen wurde. Auch die Ernährung ist Thema, und als praktischen Teil hat er Inkaspeisen zubereitet, die in der Pause an seinem Stand verkostet werden konnten.

22. Snowboard
Valentin berichtet über Geschichte und technischen Aufbau von Snowboards, wie man am besten mit dem Snowboardfahren beginnt und wie wichtig es ist, zuerst das richtige Fallen zu lernen. Als praktischen Teil hat er aus zwei alten Snowboards eine Bank gebaut.

23. Zughundesport
Lilli erzählt, daß Zughunde schon vor langer Zeit als Nutztiere eingesetzt wurden, da sie das 3-5fache ihres eigenen Körpergewichts ziehen können und einfach in der Haltung sind. Sie berichtet über Hundeschlitten und die enormen Leistungsfähigkeit der Schlittenhunde sowie die modernen Sportarten Canicross und Dog Scootern. Diese beiden präsentierte Lille in ihrem praktischen Teil als amüsantes Video.

24. Kakao
Lukas nimmt die Zuhörer auf den Weg vom Setzling bis zur fertigen Tasse Kakao mit. Er erklärt, wie die Kakaobäume in Mischkultur angebaut werden. In seinem praktischen Teil hat er aus Kakaobohnen, die sein Vater aus Südamerika mitgebracht hat, selbst Schokolade hergestellt. Ihm ist durch seine Arbeit bewußt geworden, wie viel Arbeit in einer Tafel Schokolade steckt. Seitdem ißt er sie viel bewußter.

25. Graffiti
Amelie sagt uns, was Graffiti bedeutet und welche Techniken es gibt. Sie stellt einen Zusammenhang mit historischen Wandgemälden dar. Vom Style-Writing und Scratching bis zu großformatigen Bildern bewegen sich Graffiti immer zwischen Kunstform und Sachbeschädigung. Doch das Verbot macht für die Sprayer gerade den Reiz aus. In ihrem praktischen Teil hat sie einen Graffitischriftzug für die Schule entworfen.

26. Blaudruck
Smilla erklärt die alte Färbetechnik Blaudruck in Geschichte und Technik, wie die weißen Muster zustande kommen. Mit Modeln wird der Papp aufgetragen, an diesen Stellen bleibt der Stoff beim Färben mit Indigofarben weiß. Anschließend wird der Papp wieder entfernt. In ihrem praktischen Teil hat sie aus Blaudruckstoff eine Küchenschürze genäht.

27. Breakdance
Abdul ist mit seiner Familie aus Sierra Leone nach Deutschland gekommen. Da sein Deutsch noch nicht so sicher ist, hält er seinen Vortrag auf Englisch. Er begeistert sich für Breakdance und möchte einmal Tänzer werden.

28. Informatik
Joshua stellt die Entwicklung der verschiedenen Programmiersprachen vor und erzählte über die Pionierleistungen von Konrad Zuse, der 1941 Jahren den ersten funktionsfähigen Computer baute.

29. Fischereisport
Philip ist begeisterter Angeler und das merkt man. Neben rechtlichen Grundlagen, Ausbildung und Angelschein zeigt er seine Freude, die er beim Angeln mit der Naturbeobachtung hat. Angeln ist für ihn definitiv nicht langweilig. In seinem praktischen Teil hat er eine Angelrute gebaut und ein Video über Angel- und Wurftechniken gedreht.

30. Pen and Paper Rollenspiele
Paul spielt mit Freunden regelmäßig Rollenspiele. Ein Spielleiter führt durch eine Geschichte und die Mitspieler übernehmen verschiedene Figuren darin. An bestimmten Stellen sie Entscheidungen treffen oder Aufgaben erfüllen. Manches wird mit einem 20-seitigen Würfels ausgewürfelt. Als praktischen Teil hat Paul ein eigenes Abenteuer verfaßt und mit seinen Freunden probegespielt.

31. Deutsch-sowjetischer Vernichtungskrieg
Marie spricht im letzten Vortrag des Abends mit großer Eloquenz über den grausamen deutsch-sowjetischen Vernichtungskrieg. Sie stellt heraus, daß Geschichte im Idealfall ein Lernen aus der Vergangenheit ist und daß eine simple Einteilung in Gute und Böse weder der historischen Realität entspricht noch der vielschichtigen Natur des Menschen. Sie ruft aus christlicher Überzeugung zur Versöhnung auf und appelliert an die Zuhörer, sich für Frieden auf der Welt einzusetzen.

Nach den Vorträgen folgen abschließende Worte vom Vorstand des Trägervereins und der traditionelle Cocktail vom Elternbeirat für die Schüler.

Beim Publikum bleiben einprägsame Eindrücke von sprachlichen und inhaltlichen Qualitäten, die man eigentlich jedem werdenden Erwachsenen und der Gesellschaft insgesamt wünscht. So ist dieser Abend ein Aushängeschild für die auf der Schule praktizierte Montessoripädagogik, und ganz besonders für die interessierten und engagierten Jugendlichen, die diesen Abend zu einem besonderen gemacht haben.

Text: bj
Fotos: bj & ma