Hautnah erleben

Am 23. November 2013 lud die Montessorischule Hohenbrunn wieder zum Tag der offenen Tür in ihre Räumlichkeiten. Eltern mit ihren Kindergartenkindern, Schüler, Lehrer und Eltern von Schülern bevölkerten die Schule, die sich mit ihrem Unterricht, den Demonstrationen und dem Herbstmarkt von ihrer besten Seite zeigte.

Das hautnahe Erleben ist der geeignetste Weg, um sich ein Bild von der Montessori-Pädagogik zu verschaffen. Aus diesem Grund organisiert die Montessorischule Hohenbrunn jedes Jahr im Herbst einen Tag der offenen Tür. Wichtigstes Element ist der Unterricht der Primar- und der Sekundarstufe. Eltern von Kindergartenkindern, aber auch die Kinder selbst hatten dieses Jahr wieder die Möglichkeit, den Schülern bei ihren Aufgaben im Rahmen der Freiarbeit beizuwohnen.

Dabei sahen sie unterschiedlichste Materialien für Mathematik und Deutsch, wie das Streifenbrett, Buchstabenkringel, die Lesedose oder das Schlangenspiel. Bezeichnend ist, dass bei den Materialien nicht das Erlernen oder Entwickeln nur einer Fähigkeit im Vordergrund steht, sondern immer mehrere. So üben die Kinder beispielsweise mit dem 1x1-Brett nicht nur das Kleine 1x1, sondern auch die Feinmotorik, indem sie kleine Kügelchen genau auf einem Brett platzieren, und das sinnliche Verständnis von Mengen.

Ein wesentliches Merkmal der Materialien ist zudem, dass sie üblicherweise eine Selbstkontrolle ermöglichen, die Kinder also sofort erkennen, ob sie eine Aufgabe richtig gelöst haben oder nicht. Der Lehrer tritt in diesem Zusammenhang in den Hintergrund. Er fungiert hier nicht als Wissensvermittler, sondern als Begleiter, der die Schüler unterstützt bei der Auswahl der Materialien und Fokussierung auf ihre Aufgaben, der sie aber auch bewertet – abseits von Noten, Hausaufgaben und Klassenarbeiten, die in der Montessori-Pädagogik keinen Platz haben.

So räumt auch die Montessorischule Hohenbrunn ihren Schülern den Freiraum ein, den sie für die Aneignung von Wissen und Kompetenzen benötigen, ohne sie auf einen starren Zeitplan festzulegen, der für manche eben zu schnell, für manche zu langsam ist. Dieses ganz wesentliche Grundprinzip fördert die individuelle Entwicklung der Kinder und erhält insbesondere den Spaß am Lernen und die Neugier, die jedem Kind mitgeben ist, aufrecht.

In welche Ergebnisse das mündet, dokumentierten am Tag der offenen Tür vor allem Schüler der Sekundarstufe. So gab es englische Sketche zu bestaunen, welche die siebte Klasse eigens eingeübt und zum Teil selbst geschrieben hat. Im Physikraum zeigten Schüler der achten Klasse unter dem Motto „Physik zum Anfassen“ mehrere Objekte, die anschaulich Phänomene der Pendel- und Tonfrequenz sowie Dynamik erklärten. Jeweils in Dreiergruppen entstanden diese aus Metall, Holz und Plastik gefertigten Experimente seit Schuljahresbeginn. Weitere Zeugnisse der Kreativität der Schüler war eine selbst entworfene und gebaute Crêpe-Maschine: Fertig gebackene Crêpes wanderten auf ein Laufband, das von einem Elektromotor angetrieben wurde. Unter einer speziellen Vorrichtung wurden sie schließlich mit Süßem bestückt.

Nicht fehlen durfte auch eine Auswahl an Facharbeiten der neunten Klasse, welche die Grundlage für den Montessori-Abschluss bilden. Für die „Große Arbeit“ fertigen die Neuntklässler, betreut von Mentoren, einen schriftlichen und praktischen Teil zu einem Thema ihrer Wahl. Ein entsprechend bunter Fächer an Inhalten lag denn auf dem Stand: Volleyball, H&M, Bob Marley, Pfadfinder, E-Bike, Cerebralparese oder auch Liebe in der Pubertät.

 

Traditionell zum Tag der offenen Tür fand auch wieder der Herbstmark statt, mit Ständen in der Aula und der Turnhalle. „Der Herbstmark spiegelt das bunte Leben an unserer Schule und zeigt gleichzeitig, wie unterschiedlich sich die Eltern einbringen“, schilderte Monika Nather, eine der beiden Schulleiterinnen. So konnte man von Eltern Kräuterspezialitäten und selbstgebackenes Gebäck erstehen oder Adventskränze binden und Perlen fädeln. Auch das Elterncafé mit seinen Kuchen, Torten und Tortillas erfreute sich wieder immenser Beliebtheit. Die Schüler der Sekundarstufe waren ebenso in den Verkauf eingebunden. Sie organisierten die Zubereitung von Toasts, Maroni, Mandeln und Ofenkartoffeln.

 „Wir verzeichnen einen stabilen Andrang, trotz der zwei neuen Montessorischulen in unserem Einzugsgebiet. Wir führen das darauf zurück, dass sich unser bewährtes pädagogisches Konzept, das familiäre Umfeld und die stabilen Strukturen herumsprechen. Der heutige Tag der offenen Tür war wieder sehr gut besucht. Ich freue mich und bin sehr dankbar dafür, dass der Elternbeirat so aktiv ist und die einzelnen Arbeitsgruppen der Eltern sich so engagieren“, fasste Monika Nather einen gelungenen Tag zusammen.

Text: Hagen Zumpe, Fotos: Marion Adlkirchner