Eine Schule für Kinder

Tag der offenen Tür an der Montessorischule Hohenbrunn

Wie riecht es im Regenwald? Wie macht man ein Fadenbild oder Adressaufkleber? Wie entsteht ein Videoclip? Wie löst man Gleichungen mit Variablen mithilfe von Kugeln und Wäscheklammern? Wie war das damals mit der Mauer? Alles das und vieles mehr konnten Eltern und Kinder am Samstag, den 19. November 2011 von 10 bis 14.30 Uhr am Tag der offenen Tür in der Montessorischule Hohenbrunn erfahren. Und dass in der Montessoripädagogik das Kind mit seiner Neugier im Mittelpunkt steht.

Bereits die Eröffnung der Veranstaltung machte dies deutlich: Keine langen Reden Erwachsener, sondern ein afrikanisches Begrüßungslied, gesungen vom Schülerchor, hieß die Besuche willkommen. Dann lautete das Motto, die Schule zu erkunden und die Montessori-Pädagogik hautnah zu erleben. Viele interessierte Eltern schlossen sich erst einmal einer der von den Zehntklässlern organisierten Schulhausführungen an. Andere verschafften sich zunächst an den Informationsständen der AG Öffentlichkeitsarbeit und der Schulleitung einen Überblick über das angebotene Programm und die Anmeldeformalitäten. Von besonderem Interesse war für die meisten eine Hospitation bei der Freiarbeit, dem Kernstück der Montessori-Pädagogik. Sie erlaubt es den Kindern und Jugendlichen, ihrem eigenen Rhythmus entsprechend zu lernen und die Lernschwerpunkte selbst zu bestimmen. Dabei hilft das Montessorimaterial, den Lernstoff mit allen Sinnen zu „begreifen“. „Bei uns stehen das Soziale und wie das Kind lernt an erster Stelle“, so die Sekundarstufenlehrerin Sanela Causevic. Sie zeigte, wie die Kinder x-Gleichungen mithilfe des Gleichungsrahmens lösen. Zuerst komme die Arbeit mit dem Material, um die Aufgabe wirklich zu verstehen, erst dann folge die Abstraktion bei der Lösung von Arbeitsblättern.

Eine Schule zum Mitmachen also. So spielten auch Schüler die Hauptrolle bei der Eröffnung der Regenwald-Ausstellung. Sie erklärten den Besuchern und ihren Mitschülerinnen und Mitschülern an verschiedenen Ständen alles Wissenswerte rund um den Regenwald. Zu den Schautafeln der Wanderausstellung der Stiftung OroVerde, die sich seit 1989 für den Erhalt der Regenwälder engagiert, hatten sie im Unterricht interaktives Material entwickelt. An einer Riechbar konnte man verschiedene Regenwald-Gerüche erschnüffeln: Kaffee, Vanilleschoten, Pfeffer, Muskatnuss oder Waldboden hieß es zu erkennen. Das Experiment „Ein Regenwald im Marmeladenglas“ veranschaulichte, wie der Regenwald funktioniert, und beim Würfelspiel „Einkauf mit Köpfchen“ wurde das Bewusstsein dafür geweckt, was jeder beim ökologischen Einkaufen z.B. von Möbeln oder Toilettenpapier beachten sollte.

Auch die Mauerbau-Ausstellung, von Bild, Die Welt und der Bundesstiftung Aufarbeitung konzipiert, eröffneten, nach einer kurzen Einführung durch die Lehrerin Sylvia Keber, Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse. Große, auf Pappe aufgezogene Poster erklärten den Weg vom Mauerbau bis zum Mauerfall und verdeutlichten die Unmenschlichkeit der Teilung Berlins, ebenso wie ein im Rahmen der Montessori-Facharbeit entstandenes Modell der Mauer.

Die Stärken jedes Einzelnen zu fördern, ist ein wichtiges Anliegen der Montessori-Pädagogik. Da darf die Kreativität nicht zu kurz kommen, z.B. bei der Herstellung eines Schachspiels aus Holz im Rahmen der Vorbereitung auf die Prüfung zum Qualifizierten Hauptschulabschluss. Musikalisch brachten sich Susanne Hahn (Gesang) und Sandra Bär (Klavier) ein. Sie spielten Lieder von Céline Dion und Avril Lavigne, um mit dem Erlös Kinder in Afrika zu unterstützen. Niki Zuber und Leon van Deun trugen einen selbst geschriebenen Rap vor. In kleinen Theaterstücken, Musicals und Referaten präsentierten die Kinder und Jugendlichen ihre Englisch- oder Spanischkenntnisse. Und im mit unzähligen Kinderkunstwerken geschmückten zweiten Obergeschoss, eigentlich das Reich der Grundschüler, präsentierten Jugendliche der Klassen 8 – 10 ihre Videoclips „Querwelten“. In einer Projektwoche hatten sie die Filme zusammen mit jungen Künstlern vom Münchner Gasteig gedreht und selbst geschnitten. 

Kulinarisch sorgten die Schülerinnen und Schüler für köstliche Kürbissuppe und spektakulär auf einem Pick-up zubereitete Pfannkuchen. In der Turnhalle wartete zudem ein großes, von den Eltern gestiftetes Kuchenbuffet auf Schleckermäuler, und auch der Herbstmarkt verwöhnte die Besucher mit Raclette, Pizza aus dem Holzofen, Popcorn, Glühwein, Wein und Prosecco. An den Ständen im Pausenhof wurden darüber hinaus schöne Weihnachtsgeschenke angeboten wie edler Schmuck, Glaskunst, Wachskerzen, Honigspezialitäten, Pesto, Duftsäckchen oder „Herz-Seelen-Wein“. Auch sonst war viel geboten: Die Kleinen durften im ersten und zweiten Obergeschoss unter kundiger Anleitung älterer Schülerinnen und Schüler Origami-Kunstwerke falten oder Sterne basteln; im Wald konnten die Kinder ihre Geschicklichkeit auf der Slackline unter Beweis stellen; in der Turnhalle wurden Adventskränze gebunden, Bücher verkauft, Spenden für Kinder in Afrika sowie für krebskranke Kinder gesammelt, und beim Dosenwerfen konnte man Treffsicherheit zeigen. Viel Abwechslung also und zahlreiche Einblicke in den bunten, lebendigen Alltag an der Montessorischule Hohenbrunn, wo die Kinder lernen, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen und dabei auch eines sein zu dürfen: Kind.

Text: Anissa Nasser

Fotos: Gunter Hahn und Marion Adelkirchner