Habt Mut zu großen Schritten, klein werden Sie von allein!

Am Montag den 13. Februar lud der Elternbeirat der Montessorischule Hohenbrunn zu einem Vortrag mit Martin Schuster zum Thema jugendgerechtes Lernen ein. Rund 120 Eltern und Pädagogen folgten der Einladung und füllten die Turnhalle mit gespannter Erwartung.

Martin Schuster, Jahrgang 1954, aufgewachsen in einer Großfamilie, hat als Volksschullehrer drei Jahre im Staatsdienst gearbeitet und sich anschließend der Reformpädagogik Maria Montessoris zugewendet. Nach vielen Projekten im In- und Ausland, Aufbau von und Arbeit an Montessorischulen, therapeutischer Arbeit und einem Zweitstudium in evangelischer Theologie ist er heute als Lehrer und Hausvater an der Oikos Jugendakademie in Herrmannsdorf bei Glonn tätig. Aus seinem reichen Erfahrungsschatz schilderte er dem interessierten Publikum neue Wege im Umgang mit Jugendlichen.

Der Erdkinderplan Maria Montessoris ist für ihn nicht nur der Entwurf, junge Menschen mit handwerklich tätiger Arbeit zu „erden“, sondern auch die Aufforderung an die Jugend, sich mit Ihrem Heimatplaneten Erde zu beschäftigen. Die Jugendlichen haben feine Antennen dafür, ob Ihnen eine heile Welt vorgespielt wird, oder ob Probleme benannt  und Lösungsansätze gesucht werden. „Es braucht für Jugendliche runde Tische, an denen die Probleme der Gesellschaft und der Welt diskutiert werden und nach eigenen Wegen gesucht werden kann, um diese Probleme anzugehen, denn die Kraft zur Veränderung liegt in der Jugend. Auf diesem Weg können Jugendliche unglaublich viel für ihr weiteres Leben lernen“, sagt Martin Schuster.

„In den regulären Schulen werden die Schüler zu Beginn der Pubertät in einen Zug gesetzt, der sie zwei Jahre durch einen dunklen Tunnel führt, da die Schüler den Kopf für „normale Lerninhalte“ nicht frei haben. Schade um die Zeit“, so Schuster. „Schule in der herkömmlichen Art macht ab einem Alter von 12 Jahren keinen Sinn mehr. Jugendliche brauchen in dieser Zeit Aufgaben, an denen sie sich ausprobieren können. Praktische Arbeiten, handwerklich oder künstlerisch, begleitet von Menschen, die Meister ihres Fachs sind und nicht in erster Linie Lehrer. Martin Schuster wünscht sich Schulen, in denen die Jugendlichen in Wohngruppen zusammenleben, sich selbst versorgen, einkaufen, kochen, putzen, waschen und sich mit sinnvoller Arbeit in Projekten und Praktika einbringen. „Man darf Jugendliche nicht so lange in einer Unselbständigkeit lassen“. Er spricht den Eltern und Lehrern Mut zu: „Plant große Schritte, denn klein werden sie durch nicht abänderbare Realitäten oft von ganz allein. Lasst euch nicht gleich wieder von Bedenken, wie Finanzierbarkeit oder Platzmangel einschränken, denn oft ergeben sich Möglichkeiten, Dinge umzusetzen, von denen man nie zu träumen gewagt hat,“ so der visionäre Referent.

Nach den Ausführungen hatten die Zuhörer Gelegenheit, Martin Schuster Fragen zu stellen. Ideen und Anregungen aus dem Publikum wurden diskutiert und man darf gespannt darauf sein, wie sich die Schule für die Jugendlichen weiterentwickeln wird. Dieser Vortrag war ein Aufrütteln, Althergebrachtes hinter sich zu lassen und neue Wege anzudenken. Herzlichen Dank, Martin Schuster, für diesen Schubs, wir machen uns auf den Weg!

Text und Fotos: Sabine Emmerling