"Schule des Kindes" (Maria Montessori)

Tag der Offenen Tür in der Montessorischule Hohenbrunn

Riemerling, 20. November 2010 – Am Samstag konnten interessierte Eltern und Besucher einen Blick in den Schulalltag der Montessorischule Hohenbrunn werfen. Von 10 bis 14.30 Uhr hatten sie Gelegenheit, die Schülerinnen und Schüler bei der Freiarbeit zu beobachten, am Fachunterricht teilzuhaben und sich bei Schulleitung und Lehrkräften über die Montessori-Pädagogik zu informieren. Zum Rahmenprogramm gehörten zahlreiche Aktivitäten und Angebote sowie ein bunter Herbstmarkt.

Am verlockenden Duft von Popcorn vorbei gelangten die Eltern und Großeltern, die sich über die Schule informieren wollten, in die Aula der Montessorischule Hohenbrunn, die sich bereits kurz vor dem offiziellen Beginn um 10 Uhr merklich füllte. Nur gut, dass der Informationsstand der AG Öffentlichkeitsarbeit gleich am Eingang platziert war. Mit dem Programm und allerlei Infomaterial bepackt ging es dann weiter. Zuerst zu den Ständen der Schulleitung und des Trägervereins oder ein wenig in die Freiarbeit hineinschnuppern oder doch lieber erst an der von Schülerinnen und Schülern organisierten Schulhausführung teilnehmen? Die Entscheidung fiel angesichts des umfangreichen Angebots nicht immer leicht. Wie jedes Jahr interessierten sich die Besucher besonders für die Freiarbeit, das Herzstück der Montessori-Pädagogik. Sie erlaubt es den Kindern und Jugendlichen, ihrem eigenen Rhythmus entsprechend zu lernen und die Lernschwerpunkte selbst zu bestimmen. "Es ist jeden Tag eine Faszination, eine Herausforderung zu sehen, wie die Kinder lernen," so die Lehrerin Ute Meier. Das Montessori-Material hilft dabei, den Unterrichtsstoff mit allen Sinnen zu verstehen. Vorgestellt wurde z.B. das goldene Perlenmaterial, mit dem die Kinder in der Primarstufe ganz anschaulich rechnen lernen. So verlieren selbst Additionsaufgaben im Tausenderbereich ihren Schrecken. Die Zahlen werden in Tausender, Hunderter, Zehner und Einer zerlegt, die durch goldene Perlen bzw. Holzklötze mit aufgemalten goldenen Punkten dargestellt werden. Das Kind kann die Zahlen also tatsächlich "begreifen".

Selbstständiges Arbeiten wird an der Montessorischule großgeschrieben. Ein schönes Beispiel dafür ist das sogenannte "Pausenexperiment": Kinder führen ihren Mitschülern in der Pause naturwissenschaftliche Experimente vor und erklären diese. Mit Staunen konnten die anwesenden Eltern erfahren, wie man mit Brausetabletten Feuer löscht, warum ein Geldschein nicht verbrennt, obwohl er angezündet wurde, und wie man Elefantenzahnpasta herstellt. Aber auch klassischen, "gebundenen" Unterricht gibt es an der Schule. In der Primarstufe ist dies der Fachunterricht wie Textiles Gestalten, wo beispielsweise Patchwork-Kissen, bestickte Bucheinbände oder gefilzte Figürchen hergestellt werden, oder der Werkunterricht, in dem die Schülerinnen und Schüler an diesem Tag unter der geduldigen Leitung von Steffi Malburg Fadenbilder bastelten. In der Sekundarstufe konnte man bei der Präsentation des Spanisch- und Englischunterrichts erfahren, wie viel Spaß das Sprachenlernen machen kann. So spielten die Kinder und Jugendlichen kleine Dialoge auf Spanisch vor. Auf Englisch zeigten sie Sketche sowie ein kleines Theaterstück vom gestiefelten Kater und sie trugen Gedichte und Limericks vor. Wie viel Spaß Schule machen kann, verdeutlichte auch der Film "Unsere Schule ist ein Fest", der im Musiksaal gezeigt wurde. Gedreht worden war er während des Sommerfests zum 25-jährigen Jubiläum der Montessorischule Hohenbrunn.

Nach so vielen Informationen zog es so manchen durstig und hungrig in die Turnhalle, wo ein Elterncafé mit reichlich Kuchen und Getränken aufwartete. Außerdem waren hier zahlreiche Attraktionen geboten. Den Besuchermagnet bildete, wie immer, das Kränzebinden. Grüne Haufen von Tannen-, Kiefernzweigen, Lebensbaum, Hagebutten und bunten Blättern luden dazu ein, einen fantasievollen Kranz entstehen zu lassen. Am Stand der AG Bücher gab es Secondhandspiele und Bücher, beim vom Förderverein angebotenen Dosenwerfen konnte man seine Treffsicherheit unter Beweis stellen, Kinder verkauften selbst geknüpfte Armbänder, und am Stand der Initiative zur Förderung und Verbesserung der schulischen Ausbildung in Kenia e.V. wurden u.a. afrikanische Tierfiguren aus Holz angeboten. Die Montessorischule Hohenbrunn unterstützt diese Initiative jedes Jahr mit dem "Lauf für Afrika". Insgesamt 6000 Euro wurden diesen Sommer von den Kindern erlaufen, 4000 davon gehen nach Afrika, 2000 an den Montessori-Landesverband für die Montessori-Stiftung, die Montessori-Projekte fördert und Stipendien vergibt. Für das musikalische Rahmenprogramm sorgten der Schülerchor, die Trommelgruppe, Nicki Zuber und Jenny Szikora mit einem Rap sowie Meri Su Alici, die Hip Hop tanzte. 

Trotz des trüben Novemberwetters erfreuten sich die Buden des Herbstmarkts im Pausenhof großen Zulaufs. Es roch verführerisch nach Glühwein, Pizza, Raclette, Hotdogs oder Kürbissuppe. Darüber hinaus gab es allerlei Leckereien und Geschenke zu kaufen: Schmuck, Honig, Bienenwachskerzen, Würste, Käse und Brot aus eigener Produktion, Kuhfell-Taschen, Wein und Prosecco sowie von Eltern gestiftete Kleinigkeiten wie selbst gemachte Marmeladen, gebrannte Mandeln, Duftsäckchen. Die kleinen Besucher zog aber vor allem der Geruch frisch gemachten Popcorns magisch zur am Eingang stehenden nostalgischen Popcornmaschine.

Text: Anissa Nasser, Fotos: Gunter Hahn