Die Politik lässt uns im Regen stehen

Die Montessorischule Hohenbrunn demonstriert gegen das neue Bayerische Schulförderungsgesetz

Riemerling: Am Donnerstag, den 17. März 2011, demonstrierten die Schüler, Eltern und Lehrer der Montessorischule Hohenbrunn gegen die geplante Novellierung zur Finanzierung von Privatschulen. 

Mit bunten Regenschirmen und fantasievollen, selbst gebastelten Plakaten und Bannern bewaffnet, versammelten sich am Donnerstagmorgen um 10 Uhr 300 Schüler sowie 150 Eltern und Lehrer der Montessorischule Hohenbrunn bei Nieselregen zu einer 20-minütigen Demonstration auf dem Pausenhof. Auf teilweise meterlangen Tapetenrollen waren Sprüche zu lesen, wie "Politiker lasst uns nicht im Regen stehen", "Schulgelderhöhung nein danke", "Zuschusskürzung ist Zerstörung der Einzelförderung", "Monte nicht nur für Bonzen", "Nehmt uns nicht unser 2. Zuhause weg" oder "Wir sind eure Zukunft". Eltern waren mit beschrifteten Regenschirmen zur Demo gekommen. Angeführt von der Trommelgruppe der Schule, die den Rhythmus vorgab, und von Anke Lunemann, der Vorstandsvorsitzenden des Trägervereins, mit dem Megafon skandierte der Sprechchor "Lasst uns nicht im Regen stehen".

Dann richtete sich Antje Wabnitz, Mitglied des Vorstands, in einer kraftvollen Rede an die Demonstranten und die anwesenden Pressevertreter. Der Protest richtet sich gegen die geplante Neuregelung zur Finanzierung der Privatschulen in Bayern (BaySchFG), über die der Haushaltsausschuss in diesen Tagen berät. Kern dieses Gesetzes ist die Vereinfachung der Abrechnungsmodalitäten in Form einer Pauschalisierung, d.h. jede Privatschule, egal ob in einer teuren Großstadt wie München oder in der bayerischen Provinz, wird mit der gleichen Geldsumme bezuschusst. Insgesamt solle bei der Bildung nicht gespart werden. Bei den staatlich genehmigten Privatschulen sollen mit dem neuen Gesetz jedoch 2 bis 6,8 Millionen Euro eingespart werden. Für die von der Änderung betroffene Montessorischule bedeutet dies einen großen finanziellen Einbruch, der die Existenz der Schule gefährdet.

Bereits seit 2010 hat die Schule mit staatlichen Einsparungen zu kämpfen, als eine Kürzung der Personalkostenförderung beschlossen wurde. Das bedeutet jährlich einen rund 40.000 € geringeren Zuschuss. 2011 kamen Kürzungen bei der Sachkostenförderung hinzu, was für das Schuljahr 2011/2012 finanzielle Einbußen von 95.000 € ausmacht. In den nächsten fünf Jahren wird der Fördersatz jährlich um weitere 20 % gesenkt werden.

Im Namen der Eltern, Lehrer und vor allem der Schülerinnen und Schüler der Montessorischule Hohenbrunn forderte Anke Lunemann anschließend die Bayerische Regierung dazu auf, den im Koalitionsvertrag festgeschriebenen fairen Wettbewerb zwischen öffentlichen und privaten Schulen zu fördern statt ihn zu untergraben. Außerdem forderte sie die Offenlegung der Kalkulationsgrundlage für die Fördergelder, die Berücksichtigung regional bedingter Kostenstrukturen bei Errechnung der Pauschale, die Einrechnung der Mietkosten und Schülerbeförderungskosten in die Fördersätze und die Möglichkeit, neben laufenden Sachkosten auch einmalige Sachaufwendungen geltend zu machen. Schließlich werde bei den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft, den Kindern, gespart, den Leistungsträgern von morgen. Die Montessorischulen bereicherten schon seit 25 Jahren die Bildungslandschaft in Bayern. Schließlich integrieren auch immer mehr staatliche Schulen Elemente der Montessoripädagogik in ihren Unterricht. Montessorischulen seien so ein "Labor der Zukunft", und Nachfrage und Erfolg gäben ihnen Recht. Vielleicht sei gerade dies der Staatsregierung ein Dorn im Auge.

Text: Anissa Nasser, Fotos: Sabine Emmerling