Von Kindern können wir viel lernen

Frühjahrstreffen des Montessori Landesverbands Bayern in der Montessorischule Hohenbrunn

Riemerling: Am Samstag, den 7. Mai 2011 war die Montessorischule Hohenbrunn Gastgeber für das diesjährige Frühjahrstreffen des Montessori Landesverbands Bayern e.V. Das Treffen stand unter dem Motto "Montessori kreativ – Impulse für eine schöpferische Pädagogik".

Bereits ab 9.15 Uhr fanden sich die ersten Teilnehmer am Frühjahrstreffen des Montessori Landesverbands e.V. im blau-gelben Schulhaus der Montessorischule Hohenbrunn ein. Und so mancher genoss bei strahlendem Sonnenschein noch eine Tasse Kaffee oder ein zweites Frühstück im Pausenhof, in dem mit blauen und gelben Tischdecken geschmückte Biertische zum Verweilen und zu ersten Gesprächen einluden. Andere Gäste wiederum informierten sich in der Aula an verschiedenen Ständen über Montessori-Literatur, Montessori-Material oder die Arbeit des Landesverbands. Rund 200 Teilnehmer wurden erwartet.

Zur offiziellen Eröffnung um 10 Uhr haute die Trommelgruppe der Montessorischule Hohenbrunn kräftig auf die Pauke. Dann begrüßte das Vorstandsmitglied des Landesverbands, Ingeborg Müller-Hohagen, herzlich alle Teilnehmer, stellte die Mitglieder des Landesverbands vor und gab einen Überblick über das Tagesprogramm. Nach einem Grußwort von Anke Lunemann, der Vorstandsvorsitzenden des Elternkreises München-Land e.V., stellte die Schulleiterin der Primarstufe der Montessorischule Hohenbrunn, Walburga Kortz, kurz die Schule vor. Monika Nather, die Schulleiterin der Sekundarstufe hatte eine kleine Rede zum Thema "Kreativität" vorbereitet. Das lateinische Wort "creare" bedeute nicht nur "schaffen", sondern auch "auswählen". Da die Kinder in Montessorischulen in der Freiarbeit ihren Lernstoff selbst wählen könnten, sei "Montessoripädagogik Kreativitätsschule pur". Wie kreativ in der Montessorischule Hohenbrunn gearbeitet wird, verdeutlichte auch der nachfolgende Film "Unsere Schule ist ein Fest", der anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Schule 2010 entstanden war. Der Hohenbrunner Bürgermeister, Dr. Stefan Straßmair, betonte, wie stolz er darauf sei, dass es seit 25 Jahren eine Montessorischule in seiner bald 1200 Jahre alten Gemeinde gebe. Nach den Grußworten durften die Teilnehmer am Frühjahrstreffen sogleich kreativ werden. Unter der Anleitung von Suse Gehrung, Musik- und Englischlehrerin, stimmten alle in einen Kanon ein: "Singing all together".

Den Kern des Vormittags bildete der Vortrag "Die universelle Schöpferkraft und individuelle Kreativität der Kinder" von Marielle Seitz, Kunstpädagogin und Leiterin des Instituts für Kreativität und Pädagogik (www.seitz-kreativ.de). Marielle Seitz versuchte zu bestimmen, ob es so etwas wie ein inneres Entwicklungsgesetz für Kreativität gebe, das auf alle Kinder zutreffe. Wie Pablo Picasso bereits feststellte, sei als Kind jeder ein Künstler, die Schwierigkeit läge darin, als Erwachsener einer zu bleiben. Was könne die Schule tun, um die ursprüngliche Freude am Lernen und die Kreativität von Kindern zu erhalten? Die Kunstpädagogin kam zu dem Schluss, dass man Kinder nicht zur Kreativität erziehen könne, sondern nur in der Schule gute Rahmenbedingungen für kreative Entfaltung bereitstellen müsse. Kunst und Kultur dürften keine unscheinbaren Nischen in der Gesellschaft sein, denn um Zukunft zu schaffen, hätten die Menschen immer schon mit Traditionen brechen und Neues erfinden müssen. Als Beispiel für die kindliche Fantasie und Schöpferkraft führte sie eine Anekdote aus ihrer Arbeit als Kunstpädagogin an: Ein Mädchen und ein Junge, die beschlossen hatten, später einmal zu heiraten, wollten im Kunstunterricht einen Hochzeitskrug gestalten, der genau einen Liter Wein fassen sollte. Da man in einen ungebrannten Tonkrug kein Wasser gießen kann, ohne diesen dabei zu zerstören, kamen die beiden auf die Idee, eine Plastiktüte mit einem Liter Wasser zu füllen und den Krug um die Tüte herum zu formen. Als es Streit darüber gab, wer den Krug bei der Hochzeit denn halten dürfe, fanden sie wiederum eine einvernehmliche Lösung: Sie machten einfach zwei Henkel an den Krug. Danach zeigte Marielle Seitz anhand von Kinderzeichnungen die kreativen Entwicklungsstufen der Kinder auf, von der Kritzelstufe über die Entdeckung der geometrischen Formen Kreis und Urkreuz bis hin zur Verwendung von Diagonalen und komplexeren Darstellungsformen. Obwohl sich unsere Welt durch den Einsatz von Computern verändert habe, so seien doch die elementaren Formen beim Lernen gleich geblieben. Besonders wichtig zum Erlernen der Schrift seien die Hände, mit denen sich die Umwelt "begreifen" lasse, z.B. beim Malen von Buchstaben in Sand. Kinder müssten die Welt über direkte Erfahrungen mit allen Sinnen kennenlernen; mit dem Computer könne kein Kind schreiben lernen. Nur das Lernen mit "Kopf, Herz und Hand" sorge für Glück und Zufriedenheit. Manchmal sei das Tun wichtiger als das Ergebnis und Kreativität brauche Zeit und Muße, die man den Kindern zugestehen solle. Marielle Seitz schloss ihren Vortrag mit dem Zitat eines kleinen Jungen: "Fantasie ist in meinem Kopf, und den habe ich immer dabei."

Nach der Mittagspause hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, ihre eigene Fantasie in verschiedenen Workshops unter Beweis zu stellen. Die Themen waren: "Wasser-Klang-Bilder", "Die Bedeutung der Kreativität in der Montessori-Therapie", "Kosmische Erziehung – kreativ mit Kopf, Herz und Verstand", "Kreativität im Mathematikunterricht", "Geniale Forscher von der Antike bis zur Neuzeit", "Kreativwerkstatt" zu neuen Formen der Malerei und Bildhauerei, "Herstellung eines Hüpfteppichs zu den Wortarten", "An und mit Bäumen ins Erzählen kommen" sowie die "Leschinsky-Studie".

Um 16 Uhr gingen die Teilnehmer des Frühjahrstreffens dann mit vielen neuen, kreativen Ideen für ihren Unterricht nach Hause.

Text: Anissa Nasser, Fotos: Gunter Hahn