Einblicke in die Montessori-Pädagogik und das bunte Schulleben

Tag der offenen Tür in der Montessorischule Hohenbrunn

Riemerling, 21. November 2009 – Am Samstag konnten interessierte Eltern und Besucher einen Blick in den Schulalltag der Montessorischule Hohenbrunn werfen. Von 10 bis 14.30 Uhr hatten sie Gelegenheit, die Schülerinnen und Schüler bei der Freiarbeit zu beobachten, am Fachunterricht teilzuhaben und sich bei Schulleitung und Lehrkräften über die Montessori-Pädagogik zu informieren. Zum Rahmenprogramm gehörten zahlreiche Aktivitäten und Angebote sowie ein bunter Herbstmarkt.

 

Schon kurz vor zehn füllte sich die Aula der Montessorischule Hohenbrunn merklich mit Eltern und Großeltern, die sich über die Schule informieren wollten. Nur gut, dass eine Dia-Show mit Fotos aus dem Schulleben die Besucher gleich zum Informationsstand der AG Öffentlichkeitsarbeit in der Aula lotste. Mit dem Programm und allerlei Infomaterial bepackt ging es dann weiter. Zuerst ein wenig in die Freiarbeit hineinschnuppern oder doch lieber erst an der von Schülerinnen und Schülern organisierten Schulhausführung teilnehmen? Die Entscheidung fiel angesichts des umfangreichen Angebots nicht immer leicht. Dieses Jahr war besonders die Freiarbeit, das Herzstück der Montessori-Pädagogik, ein Besuchermagnet. Sie erlaubt es den Kindern und Jugendlichen, ihrem eigenen Rhythmus entsprechend zu lernen und die Lernschwerpunkte selbst zu bestimmen. Dabei hilft das Montessori-Material, den Unterrichtsstoff mit allen Sinnen zu begreifen. Vorgestellt wurde z.B. das goldene Perlenmaterial, mit dem die Kinder in der Primarstufe ganz anschaulich rechnen lernen. So verlieren selbst Additionsaufgaben im Tausenderbereich ihren Schrecken. Die Zahlen werden in Tausender, Hunderter, Zehner und Einer zerlegt, die durch goldene Perlen bzw. Holzklötze mit aufgemalten goldenen Punkten dargestellt werden. Das Kind kann die Zahlen also tatsächlich "begreifen". "Die Perlen lieben es, wenn man sie berührt," so die Lehrerin, die die Kinder schon mal die Augen schließen ließ, um heraushören zu lassen, wie viele Einer-Perlen die Zahl denn habe. Aber auch gebundenen Unterricht gibt es an der Schule. In der Primarstufe ist dies der Fachunterricht wie Textiles Gestalten, wo z.B. Patchworkkissen, bestickte Bucheinbände oder gefilzte Figürchen wie Fliegenpilze und Pinguine hergestellt werden, oder der Werkunterricht, in dem die Schülerinnen und Schüler an diesem Tag unter der geduldigen Leitung von Steffi Malburg lustige, kleine Männchen aus Draht, Korken und einer Holzkugel bastelten. In der Sekundarstufe konnte man bei der Präsentation des Spanisch- und Englischunterrichts erfahren, wie viel Spaß das Sprachenlernen machen kann. So trugen die Kinder in einer gelungenen Mischung aus Gesang, Theater und Rezitation drei Fabeln auf Englisch vor. Auch im Spanischkurs wird dem reinen Frontalunterricht eine Absage erteilt. Die Schüler lernen viel in Gruppenarbeit und mit ansprechendem Material.

 

Einen weiteren Anziehungspunkt bildete die Ausstellung "Bionik – Technik lernt von der Natur", eine Wanderausstellung des Förderkreises Waldmuseum Ebersberg, die zwei Wochen lang in der Schule zu Gast war. Schülerinnen und Schüler der Klassen 5-7 hatten sich intensiv in das Thema eingearbeitet und die Ausstellungsleinwände mit eigenen Materialien ergänzt. Außerdem richteten sie verschiedene „Aktionstische“ und Stände ein, die zum handelnden Lernen einluden. Die Schülerexperten betreuten während der beiden Wochen in Kleingruppen die Stationen und boten „Workshops“ an, die von anderen Klassen der Schule „gebucht“ werden konnten. "Die Kleineren hingen den Größeren nur so an den Lippen. Das war für die älteren Schülerinnen und Schüler ein tolles Erlebnis," so die Projektleiterin Ingrid Sauer. Genau dies ist auch ein grundlegendes Prinzip der Montessori-Pädagogik – die Jahrgangsmischung. Jüngere lernen von Älteren und Ältere wiederholen und vertiefen den Stoff, indem sie Jüngeren helfen. Ganz nebenbei erwerben die Kinder und Jugendlichen dabei wichtige Sozialkompetenz.

Nach so viel Information zog es so manchen in die Turnhalle, um sich am reichhaltigen Kuchenbüffet gütlich zu tun. Danach lud der Stand der AG Bücher mit Secondhandspielen und -büchern zum Schmökern und Kaufen ein, ebenso wie die Initiative zur Förderung und Verbesserung der schulischen Ausbildung in Kenia, die kenianische Aloe-Vera-Pflanzen, afrikanische Tierfiguren aus Holz und Schmuck anbot. Außerdem konnte man beim Dosenwerfen seine Treffsicherheit bzw. beim Adventskranzbinden seine Kreativität unter Beweis stellen. Und dazu spielte die Trommelgruppe heiße Rhythmen und Meri Su Alici tanzte Hip Hop. Gegen Ende konnte man sich bei der "Welturaufführung" der Kriminalkomödie "Giovannis letzte Leidenschaft" noch einmal so richtig amüsieren. Den Film um einen treulosen italienischen Ehemann, der von der, seiner Meinung nach, mit 42 Jahren nicht mehr ganz taufrischen Ehefrau und seiner jungen Geliebten ermordet wird, hatte die Theatergruppe im letzten Schuljahr gedreht. Das milde, sonnige Wetter ließ auch viele die Buden des Herbstmarkts im Pausenhof genießen, wo es verführerisch nach Popcorn, Pizza, Raclette oder Kürbissuppe roch und man so allerlei Köstliches und Hübsches erstehen konnte: Schokofrüchte, Krippenfiguren und Engelchen aus Stoff, Honig und Bienenwachskerzen, Würste, Käse und Brot aus eigener Produktion, Schmuck und Taschen aus Kuhfell, Wein und Prosecco sowie von Eltern gestiftete Kleinigkeiten wie selbst gemachtes Pesto, Seifen, Duftkissen, Wunschflascherl und vieles mehr. Gern nahmen sich die Eltern zum Abschluss kurz Zeit für ein Schwätzchen bei Glühwein oder einem Glas Prosecco. Da störte auch niemanden das Geräusch der einstürzenden Bierkisten vom "Tragerlklettern" im Wald und das darauf folgende Kinderlachen.

 

 

Text: Anissa Nasser, Fotos: Gunter Hahn