Vortrag der Polizei

"Neue Medien" - Neue Gefahren? 

Am 9.7.2009 fand in der Montessorischule Hohenbrunn ein Informationsabend zu den Gefahren der Neuen Medien statt. Durchgeführt wurde er von Stefan Ther, Kriminalhauptmeister beim Kommissariat 105 des Polizeipräsidiums München, der den versammelten Eltern wertvolle Tipps gab.

Zunächst befasste sich Kriminalhauptmeister Stefan Ther vom Kommissariat 105 des Polizeipräsidiums München, welches zuständig für Opferschutz und Prävention (Verhaltensprävention, Kinder- und Jugendprävention, technische Prävention) ist, mit den Gefahren der Handynutzung. Aus aktuellen Studien geht hervor, dass das Handy heute zu 62% unter Schulkindern verbreitet ist. Genutzt wird es vor allem für SMS, gefolgt vom Telefonieren, Fotos und Filme machen und auch dem Verschicken von Fotos oder Filmen.

Eingegangen wurde auf die Risiken, die mit dem Handygebrauch bei Kindern verbunden sein können: So kommt es vor, dass Anbieter brutale Videos oder auch Pornografische Filme an Handynummern senden und diese dann auf dem Schulhof kursieren. Kinder wissen meist nicht, wo die Grenzen der Legalität liegen, z.B. dass es strafbar ist, Fotos von anderen ohne deren Einwilligung ins Internet zu stellen, oder Privatgespräche aufzuzeichnen oder zu veröffentlichen. Wenn die Fotos von anderen zudem auch noch die Privatsphäre verletzen, z.B. in einer Umkleidekabine oder Schultoilette aufgenommen werden, ist sogar schon das Fotografieren selbst strafbar (sog. Paparazzi-Paragraf). Ebenso ist die Weitergabe von Gewaltdarstellungen oder von pornografischem Material strafbar.

Folgendes können Eltern tun:

  •  Interesse zeigen an dem, was die Kinder mit dem Handy machen!
  • Die Kinder über Gefahren und rechtliche Bestimmungen aufklären!
  • Für Kinder nur solche Handys kaufen, deren Funktion man selbst einschätzen kann!
  • Bei Handyanbietern kann man Informationen einholen, um schützende Funktionen im Handy einzustellen, z.B. Versenden von MMS auszuschalten.

Mit der Tastenkombination #06# lässt sich die Seriennummer des eigenen Handys abrufen, die man sich an einem sicheren Ort speichern sollte, um im Bedarfsfall der Polizei die Identifikation des Handys nach einem Diebstahl zu erleichtern. 
  
www.polizei-beratung.de
www.handysektor.de

Als nächstes Thema wandte sich Stefan Ther Computerspielen zu. An einem kurzen Ausschnitt eines „Egoshooter“-Films wurde demonstriert, wie schnell und brutal heute viele Computerspiele gemacht sind. Die Alterseinstufung für solche Spiele wird in einem demokratischen Verfahren festgelegt, sollte aber nicht immer ungeprüft akzeptiert werden. Die Veränderung gegenüber brutalen Filmen aus früheren Zeiten besteht darin, dass sich sowohl die Intention von Gewalt als auch die Grenzen von Brutalität stark verändert haben. Studien belegen auch, dass zwischen dem Konsum von Gewalt verherrlichenden Filmen bzw. Spielen und dem praktischen Gewaltanwendung ein direkter zeitlicher Zusammenhang besteht.

Die Medienzeit an Schultagen sollte bei Kindern ein Maß von 1,5 Std. nicht überschreiten, klare Zeitvereinbarungen sind wichtig. Auch hier gilt: Eltern sollten sich informieren und für das interessieren, was ihre Kinder am Computer machen, ggf. auch mal mitspielen. Grundsatz: Alternativen anbieten! Spiele sind kein Erziehungsinstrument, sollen nicht als Strafe oder Belohnung eingesetzt werden.
  
www.spieleratgeber.de
www.klicksafe.de
www.usk.de

Weitere Gefahren lauern im Internet. Das Chatten in Chatrooms wie Lokalisten, SchülerVZ, Facebook etc, ist unter Schülern stark verbreitet. Hier liegt eine große Gefahr in der Herausgabe von persönlichen Daten. Laut Studienergebnissen nehmen 38% der Jugendlichen telefonischen Kontakt zu ihrer Chat-Bekanntschaft auf, 25% treffen sich sogar persönlich mit einem ihnen nur virtuell bekannten Menschen. Durch Fotos im Internet und durch Informationen, die diesen zugeordnet sind, kann man sich durchaus Gefahren aussetzen. Auf SchülerVZ liegen z.B. 700 Mio. Fotos. 200.000 Fotos werden täglich neu eingestellt. Auf Lokalisten sind alle deutschen Schulen vertreten. Über „best clickies“ kann man ablesen, wer gerade im Interesse ganz oben steht und dadurch auch Vermutungen anstellen, wer sich hier tummelt und auf der Suche nach jungen Kontakten ist. Für den Fall, dass jemand verleumderische Angaben über einen selbst ins Netz gestellt hat, kann man beim Betreiber der Seite Beschwerde einlegen, was aber nicht unbedingt Aussicht auf Erfolg hat. Zu den weiteren kritischen Aspekten des Chattens gehört, dass es keine Altersverifizierung gibt, sich also erwachsene Männer als männliche Jugendliche ausgeben können und sich so attraktive Kontakte erschleichen. Zudem kann in die geschlossen geführten Dialoge kein Außenstehender hineinschauen. Bewusst machen sollte man seinen Kindern, dass die größtmögliche Anzahl an Kontakten, um die viele wetteifern, nicht wirklich mit einer Menge an Freunden gleichzusetzen ist.
   
Besser geschützte Kontaktseiten für Kinder und Jugendliche:

www.seitenstark.de
www.kindernet.de
www.cyberzwerge.de
www.chatten-ohne-risiko.net
www.jugendschutz.net
www.internet-beschwerdestelle.de

Das Kopieren (Herunterladen) von Filmen, Musik etc. ist grundsätzlich verboten. Die Ausnahme bilden Privatkopien, wenn das Original vorhanden ist. Kopierte Filme bzw. Musik dürfen auch nicht verkauft werden. Als Eltern sollte man hier seine Vorbildrolle wahrnehmen und auf der legalen Seite bleiben. Die nur vermeintliche Anonymität im Internet sollte den Kindern bewusst gemacht werden.

Text: Hilke Schaer

Informationen:

Polizeipräsidium München
Kommissariat 105
Bayerstr. 35,80335 München
Tel. 089/55172-448