Sie haben es selbst geschafft

Präsentation der Facharbeiten 2015 in der Montessorischule Hohenbrunn

Mit 14 Jahren vor 200 Zuhörern mit einem eigenen Thema. Spannend? Ja! Donnerstag abend in der Montessorischule Hohenbrunn. Die Schüler der neunten Jahrgangsstufe präsentieren ihre Facharbeiten, das Ergebnis mehrmonatiger selbständiger Arbeit. Jeder der dreißig Schüler hat für sein Thema recherchiert, Material zusammengetragen und in einem praktischen Teil seine Erkenntnisse greifbar gemacht.

Hier in der umfunktionierten Turnhalle hat jeder von ihnen seinen eigenen Stand aufgebaut, hier zeigt er sich mit seiner Arbeit. Die Bandbreite der Themen ist so vielfältig wie die jungen Menschen selbst: Technik, Umwelt, Sport und Ernährung, Kunst und Design, berühmte Persönlichkeiten, erneuerbare Energien und verantwortungsvoller Konsum.

Wieviel Kraft in den Vierzehnjährigen steckt, nach acht Jahren an dieser Schule, das zeigt sich noch viel unmittelbarer im Hauptteil der Veranstaltung: Jeder hält einen Vortrag über seine Facharbeit, am Rednerpult im Scheinwerferlicht.

Statt Menschen nach einer allgemeinen Schablone zu formen, will die Montessoripädagogik jedem einzelnen in seinem Entwicklungsdrang dazu verhelfen, wirklich in seine Potentiale zu wachsen. Daß damit selbständige und selbstbewußte junge Menschen heranwachsen, die alles andere als weltfremd sind: das belegen die Vorträge, einer nach dem anderen.

Geborene Rhetoriker oder stille Forscher, alle wirken begeistert von ihrem Thema, stehen mit Engagement vor den Zuhörern. Manche präsentieren mit Witz, manche stocken einmal kurz, und das ist sympathisch, das ist echt, nicht dressiert oder hingecoacht. Viele stellen einen Bezug zu Umweltbewußtsein und verantwortungsvollem Handeln her.

Und hier die Chronologie der Ereignisse...

Einer Begrüßung durch die Schulleitung folgt eine künstlerische Einleitung durch ein Gedicht und ein Klavierstück.

Dann geht es los: dreißig Vorträge, ausgeleuchtet und schallmäßig verstärkt vom Technikteam.

1. Verbrennungsmotoren

Niklas erläutert uns die Entwicklung der Verbrennungsmotoren. Die Begeisterung hört man, wenn er berichtet, wie er aus einem Bausatz selbst einen V8-Motor gebaut hat. Trotzdem wünscht er sich, daß seine Kinder einmal mit dem Elektrobus in die Schule fahren.

2. Vögel in München

Finn gibt uns einen Überblick über die vielfältige Vogelwelt in München. Erstaunlich, was für ein Artenreichtum sich im bebauten Raum und den städtischen Grünflächen tummelt! Allerdings gilt es auch, den Vögeln nicht die letzten Lebensräume in der Stadt zu nehmen. Er selbst hat einen Nistkasten für Kohlmeisen gebaut.

3. Feng Shui

Isabella erklärt uns die Grundsätze des Feng Shui und was man daraus für die gesunde Planung und Einrichtung von Wohnraum lernen kann. Später will sie einmal Innenarchitektin werden. Jetzt hat sie schon das Modell eines Zimmers nach Feng-Shui-Prinzipien gestaltet.

4. Kaffee

Erik bringt uns die Welt das Kaffees nahe: wie Kaffee angebaut, geerntet und veredelt wird, wie die tausend Aromastoffe der Kaffeebohne zwischen Säure und Körper, Bitterkeit und Süße herausgebracht werden. Und in der Pause können wir bei ihm Kaffee verkosten.

5. Rope Skipping

Quirina stellt uns Rope Skipping vor. Das ist nicht einfach nur Englisch für Seilspringen, sondern ein rhythmischer Sport zur Musik. Ihre Vorführung unterstreicht das anschaulich mit vielen Sprüngen und einer Seilbeherrschung, die jeden Hobbyseilspringer staunen läßt.

6. Die Kunst des Bogenschießens

Christopher erläutert uns die Entwicklung des Bogenschießens von der Vorzeit bis heute. Wir sehen, welche Rolle das Bogenschießen bei den ägyptischen Streitwagen gespielt hat, und lernen verschiedene Arten von Bogen mit ihrem Aufbau kennen. Als praktischen Teil hat er selbst eine Armbrust gebaut.

7. Häkeln

Amelie beschäftigt sich mit dem Häkeln. Sie selbst hat es von ihrer Oma gelernt -- ein schönes Beispiel für die Überlieferung über die Generationen hinweg. Nach einem geschichtlichen Abriß stellt sie uns ihren selbstgehäkelten Sitzbezug vor, der vom Bruder erfolgreich probegesessen worden ist.

8. Krafttraining

Manuel erklärt uns den Unterschied zwischen Maximalkraft, Kraftausdauer und Schnellkraft. Da im Bodybuilding Proteine Hauptbestandteil der Ernährung sind, hat er Proteinshakes und Riegel zum Probieren vorbereitet. Bei Interviews im Fitneßstudio hat er übrigens festgestellt, daß die Menschen nach dem Trainieren freundlicher sind als vorher.

9. Photovoltaik

Joshua spannt den Bogen von der Entdeckung des photoelektrischen Effekts über die Nutzung in der Raumfahrt bis zu den heutigen Solarfarmen. Dann erklärt er uns den Aufbau einer Photovoltaikanlage für Privathäuser und die Einspeisung des gewonnenen Stroms ins Netz, die sich allerdings für Privatanlagen immer weniger lohnt.

10. Pelzwahn

Von Mika erfahren wir, daß Zuchtpelze größtenteils gar nicht für Pelzmäntel verwendet werden, sondern für Pelzbesätze auf Massenware, die überall und millionenfach verkauft wird. Er hat über die Bedingungen in chinesischen Pelztierfarmen recherchiert und war davon so bewegt, daß er eine Online-Petition gegen Naturpelz in der Mode gestartet hat.

11. Schokolade

Jasmin präsentiert uns die Entwicklung der Schokolade vom Kakao der Azteken über die entscheidenden Innovationen des 19. Jahrhunderts bis heute. Anbau und Ernte der Kakaobohnen kommen zur Sprache, und sie regt selbst hergestellte Rohschokolade als Alternative zur industriell gefertigten an.

12. Tattoo

Cara erklärt uns Tätowierungen als Schmuck mit ursprünglich sozialer Symbolik in Afrika und Indien, dessen Technik Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA aufgegriffen wurde. Von dort entwickelten sich klassische Tätowierungen bei den Seeleuten, heute aber auch moderne Stile. Sie hat eine Tätowierung für ihren Vater entworfen.

13. Vorurteile

Emma führt uns vor Augen, daß Vorurteile zwar im Sinne vorgefaßter Meinungen eine wichtige Hilfe für spontane Entscheidungsfindungen sind, daß sie im Negativen aber auch die Wahrnehmung einengen. Denn wer sich von Vorurteilen leiten läßt, der beurteilt etwas Ganzes anhand weniger offensichtlicher Merkmale, die aber in Wahrheit oft nicht die wesentlichen sind.

14. Florales & Dekoration

Kristin zeigt uns Blumen als etwas Schmückendes und Schönes, als alte Symbolsprache. Sie weist aber auch darauf hin, daß der Großteil der Schnittblumen in Afrika und Südamerika unter schlechten Arbeitsbedingungen produziert wird. Sie hat ein eigenes Floral Street Art Projekt gestaltet. Und ihr Schlußsatz ist: Blumen machen glücklich.

15. Hundeschlitten

Daniel hat sich mit Hundeschlitten beschäftigt. Er zeigt uns die verschiedenen Rassen von Schlittenhunden mit ihren Eigenarten, und welche Rennen mit Hundeschlitten gefahren werden. Er hat selbst einen Hundeschlitten auf Schibasis gebaut.

16. New York

Amelie ist fasziniert von New York, taucht in die Geschichte dieser Metropole ein und ruft insbesondere noch einmal die Terroranschläge vom 11. September 2001 in Erinnerung. Ihrer Begeisterung für diese Stadt hat sie in einer Collage zum Ausdruck gebracht.

17. Windkraft

Tabea referiert über die Windenergienutzung, beleuchtet sowohl die Umweltfreundlichkeit der Windräder als auch die Problematik, den Strom von dort, wo er erzeugt wird, dorthin zu bringen, wo er gebraucht wird. Sie erklärt, daß Windräder zur Vermeidung von Unwuchten immer drei Flügel haben...und daß ihr selbstgebautes Modell sechs Flügel hat: weil es einfach schöner ausschaut.

18. Kalligraphie

Marco entführt uns ins Reich der Kalligraphie. Wir sehen die Pinsel und Tuschen für diese Feinarbeit. Er hat selbst die chinesischen Sternzeichen auf Pergament geschrieben und erlebt, wie wichtig die Konzentration dabei ist.

19. Modern Dance

Charlotte stellt die verschiedenen Richtungen des Modern Dance als Weiterentwicklung des klassischen Ballett vor. Bei der Vorführung ihrer selbst entwickelten Choreographie über Freundschaft kann sie aufgrund einer Verletzung leider nur zuschauen.

20. Fußball in den Medien

Jasper thematisiert den enormen Stellenwert, den die Medienberichterstattung im modernen Fußball einnimmt. Einerseits ist die überragende Breitenwirkung des Fußball ohne Fernsehen kaum denkbar, andererseits erzeugen die Medien auch enormen Leistungsdruck bei den Akteuren.

21. Plastikmüll im Meer

Paulina zeigt, daß in den Weltmeeren Millionen Tonnen von Plastikmüll schwimmen. Durch Abrieb und UV-Licht zerfallen die Teile in den rotierenden Müllstrudeln und setzen sich als Mikroplastik in der Umwelt und den Lebewesen fest, landen über die Nahrungskette schließlich wieder beim Verursacher: dem Menschen. Sie ruft dazu auf, Plastik zu vermeiden, wo immer es geht.

22. Piktogramme

Rosalie sagt uns, was Piktogramme sind: Bildzeichen, die zum Informieren, Orientieren und Warnen dienen. Außerdem dienen sie als Kommunikationsmittel für beeinträchtigte Personen. Ihr geschichtlicher Abriß reicht von den 1920er Jahren über die Münchner Olympiade bis zu den in Japan entwickelten Emojis.

23. Die Entwicklung des Röhrenradios

Marinus rekapituliert die Entwicklung des Röhrenradios: im Dritten Reich mit dem "Volksempfänger" als Mittel zur Verbreitung der Nazipropaganda entdeckt und massenhaft verbreitet, später noch bis in die 1950er Jahre Stand der Technik. Sein Ausstellungsstand ist ein kleines Technikmuseum.

24. Inklusionsfußball

Norvin erzählt von seinen Erfahrungen im Inklusionsfußball. Er selbst spielt gemeinsam mit beeinträchtigten Sportlern im Verein. Den Sport nennt er eine integrative Kraft, Inklusion solle die Regel sein, nicht die Ausnahme. Jeder wird hier seinen Möglichkeiten entsprechend gefördert. Und das ist ja auch ein Grundsatz der Montessoripädagogik.

25. Bobby Fischer

Tobias stellt das Schachgenie Bobby Fischer vor. Er vermittelt das Bild eines Stars mit Allüren, der in seinem persönlichen Leben und seinen politischen Ansichten mehr als kontrovers war und nach seiner kometenhaften Schachkarriere in der Versenkung fortwährender Probleme und Länderwechsel versank.

26. Computer

Michael zeigt die Entwicklung des Computers von der Additionsmaschine des Charles Babbage im 19. Jahrhundert an und nennt den Z3 von Konrad Zuse als Prototyp des modernen Rechners. Er hat aus verschiedensten Teilen selbst einen PC zusammengebaut.

27. Errungenschaften der Raumfahrt

Jakob würdigt die Meilensteine der Raumfahrt, geht dabei besonders auf die unbemannten Raumsonden ein, die Bilder ferner Planeten zur Erde gefunkt haben, und auf Weltraumteleskope, die aus der Erdumlaufbahn faszinierende Aufnahmen des Weltalls liefern. Eine Mondbasis im 3D-Druckverfahren? Das ist noch Zukunftsmusik.

28. Ballonfahren

Stefan berichtet von der Entwicklung des Heißluftballons, dem ersten Flug im 18. Jahrhundert, von der Funktionsweise, die sich bis heute nicht verändert hat. Nach der ersten Ballonfahrt bekommt man übrigens einen Ballonfahrernamen -- man kann sich aussuchen, ob man Graf, Prinz oder Fürst sein will.

29. Coco Chanel

Antonella erzählt uns von Coco Chanel als Beispiel für das "Durchsetzen durch starken Willen". Die Erfinderin des "Kleinen Schwarzen" fiel in den 1920er Jahren durch Kurzhaarfrisur und ungewohnt schlichte Kleidentwürfe auf. Und ihr Chanel No. 5 wird auch heute noch verkauft.

30. Leonardo da Vinci

Tobias stellt Leonardo als Universalgenie der Renaissance vor: ein Erfinder, Anatom, Künstler, der Kriegsgerätschaften entwarf, den menschlichen Körper studierte und die berühmte Mona Lisa malte. Wir erfahren, warum deren Lächeln so geheimnisvoll ist und wie merkwürdig die Landschaft im Hintergrund ist.

Nach den Vorträgen folgen abschließende Worte des Vorstands des Trägervereins und der traditionelle Cocktail vom Elternbeirat für die Schüler.

Als sich die dreißig Helden des Abends schließlich zum Gruppenbild zusammenstellen, können sie zu Recht stolz sein. Natürlich hatten sie Hilfe, aber sie haben es selbst geschafft. Vierzehnjährige starren nicht nur in ihre Smartphones. Sie können etwas in die Hand nehmen, etwas bewegen. In den jungen Menschen liegt die Zukunft, und was dieser Abend gezeigt hat, läßt für die Zukunft hoffen.

Text: Bernhard Jerabek
Fotos: Marion Adlkirchner und Bernhard Jerabek