Glücksrad, Zaubertinte, Trommeln und Montessori-Pädagogik

Die Montessorischule Hohenbrunn auf dem Rie-West-Fest


Gebannt schaut das Mädchen auf das Glücksrad. Sie hofft, dass die Zahl Eins kommt, und dass sie dann einen der Hauptpreise gewinnt oder wenigstens den Pizza-Gutschein oder etwas Süßes. Die Eins, sie kommt – fast. Das Glücksrad bleibt bei der Zwei stehen. Es war sooooo knapp. Aber halb so schlimm: Das Mädchen bekommt einen Trostpreis, einen Lutscher; und den Erlös des Glücksrads erhält der Förderverein der Montessorischule, der Familien unterstützt, die sich das Schulgeld oder die Kosten für eine Klassenfahrt nicht leisten können.

Die Montessorischule Hohenbrunn machte dieses Jahr am Samstag, den 15. Juni beim zweiten Rie-West-Fest im Gewerbegebiet Riemerling mit – mit dem Glücksrad, mit einem Bücherflohmarkt, mit Kinderschminken, mit einer Trommeleinlage und natürlich mit einem Infostand über die Montessori-Pädagogik. Das Rie-West-Fest ist ein Straßenfest des Gewerbeverbands Hohenbrunn-Riemerling. 50 Aussteller aus der Region präsentieren sich, unter anderem Energieversorger, Autohäuser, Sportvereine, Schulen und Gesundheitspraxen. Aber es ist kein bloßes Zurschaustellen von Produkten – die Aussteller werden auch aktiv: Die Sportler des TSV Riemerling zeigten zum Beispiel, wie moderne Schwertkunst funktioniert, es gab Vorträge über Elektro-Fahrräder und Vorführungen von Tanz, Sport und Musik. Mittendrin: die Crazy Drum Girls der Montessorischule Hohenbrunn.

Es war ein schöner Tag, die Sonne schien, es war sogar richtig heiß, und die Menschen flanierten durch das bunt bestückte Gewerbegebiet. Viele blieben am Stand der Montessorischule stehen. Manche blickten auf die Plakate, auf denen die Montessori-Pädagogik und das Konzept der Schule vorgestellt wurden, andere kauften selbst gezogene Pflanzen, wieder andere blieben vor den Pinnwänden stehen, die in dem Zeltpavillon der Schule auf dem Boden standen; Eltern hatten die wundervollen Pinnwände aus Stoff angefertigt. Monika Nather, Schulleiterin der Sekundarstufe, präsentierte Mathematik-Material, mit dem die Kinder in der Montessorischule das Rechnen lernen – Mathematik zum Anfassen und Begreifen – und stellte so unter Beweis, dass Mathematik auch Spaß machen kann. Gleich daneben demonstrierte die Lehrerin Ruth Bug, was man an der Montessorischule unter „Pausen-Experimenten“ versteht: Schüler führen in den Pausen anderen Schülern kleine Experimente vor, etwa die Zaubertinte – ein Tintenfleck verschwindet wie von Zauberhand von der Bluse der Lehrerin. Ruth Bugs Kollegin Marie-Luise Schaidreiter verwandelte beim Kinderschminken derweil Kindergesichter in Schmetterlinge oder Löwen.

Das sind Dinge, die Richard David Precht gefallen dürften, dem Autor des Buches „Anna, die Schule und der liebe Gott“. Er rechnet darin mit dem deutschen Bildungssystem ab und bezeichnet die konventionellen Schulen als „veraltete Lernfabriken“. Precht kommt am 24. Juli zu einer Kundgebung auf den Odeonsplatz, bei der die Veranstalter unter anderem einen Abbau von Zeit- und Notendruck und die offizielle Anerkennung von Reformschulen wie auch den Montessorischulen fordern. Am Stand der Montessorischule konnten die Besucher ihre Wünsche für eine andere Schulpolitik auf kleine Karten mit Sprechblasen schreiben; die Ideen werden an die Organisatoren der Kundgebung weitergeleitet.

Text: Anissa Nasser, Fotos: Gunter Hahn und Marion Adlkirchner (Fotos folgen in Kürze)