Lust auf Lesen

Am 26. April - dem Montessori-Bayern Tag - fand in der Montessorischule Hohenbrunn zum vierten Mal der Tag des Lesens statt. Ein hochkarätiges und vielseitiges Autorenteam war  in die Schule eingeladen worden, um den Schülern Lust auf Lesen zu machen. „Wir wollen den Kindern einen praktischen Zugang zum Lesen schaffen, in dem sie  „echte“ Autoren kennenlernen, ihnen zuhören und ihnen Fragen stellen können. So finden vielleicht auch Kinder Spaß am Lesen, die sonst keine Bücherwürmer sind.“ erläutert Filiz Pinar, die zusammen mit Sandra Oeser und ihrer engagierten Bücher AG den Lesetag organisiert.

Mit  dem Lied „Oh what a lovely morning – school is so cool”, das die Schüler der Klasse O und P schwungvoll sangen, startete die Veranstaltung. Nach den Begrüßungsworten der Schullleiterin Frau Kortz und des Hohenbrunner Bürgermeisters  Dr. Stefan Straßmair gehörte die Bühne zunächst zwei Nachwuchsautoren der Schule. Die Viertklässlerin Roxy  beeindruckte ihre Zuhörer mit ihrer einfalls- und ausdrucksreichen Geschichte über ein Mädchen, das als Nachfolgerin einer Elfenkönigin das Elfenreich retten muss. Auch die originelle Geschichte des 12-jährigen Tim über Dinausaurier, Forscher und überbesorgte Mütter fand bei den Mitschülern großen Beifall.


Danach mussten die „Profiautoren“ in den jeweiligen Klassenstufen ihr Können unter Beweis stellen. Als Michael Rothballer, Autor der Fantasy Triologie „Vermächtnis der Schwerter“, die Schüler der 9. und 10. Jahrgangsstufe in seine Welt der Drachen, Götter und wunderlichen Wesen entführte, hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Rothballer selbst ist - seit eine Lehrerin ihm im Kunstunterricht „Der kleine Hobbit“ vorlas - von der Möglichkeit fasziniert durch Literatur völlig neue Welten und Völker zu erschaffen. Als promovierter Biologe erfindet er dabei Geschöpfe, die evolutionstheoretisch möglich wären. Besonders imponiert hat den Schülern, dass der sympathische Autor seine 700 Seiten starken Romane  vorwiegend abends zwischen 21 und 24 Uhr  und am Wochenende schreibt. Die Fäden der komplexen Figuren und Handlungen in der Hand zu behalten, empfindet er dabei nicht als schwierig: „Die Geschichte lebt in meinem Kopf“.


Die Lesung, die im Nebenraum vom hippen Autorenteam Isabell Sommer und Swen Reinhard präsentiert wurde, überraschte durch ihre multimedialen Effekte. Filmcollagen und Soundeffekte hatten die Schüler der 6. und 7. Klasse bei einer Lesung nicht erwartet. Die Jugendbuchreihe „Chip-Chips-Jam“ handelt von drei coolen Skatern, die in Hamburg spannende Abenteuer erleben. Das Thema und die zeitgemäße Sprache der Bücher  begeisterten die Kinder.  Einziger Nachteil der Bücher sei – so Antonella aus der 6. Klasse -, dass sie nicht so dick sind.


Eine ebenso lebendige Lesung durften die Schüler der 5. Klasse genießen. Für sie hatte sich der Bürgermeister von Hohenbrunn trotz großen Termindruckes Zeit genommen, um aus seinen Lieblingsbüchern vorzulesen. „Es gibt Bücher, die begleiten einen das ganze Leben“ erklärte Herr Dr. Straßmair und aus drei dieser „Lebensbücher“ las er vor.  Besonders lustig fanden die Kinder das Kapitel „Auf der Elektrischen“ von Ludwig Thoma, das Herr Dr. Straßmair in Mundart vortrug. „Er liest nicht vor, er schauspielert“ befand die Fünftklässlerin Lea. Auch das Lieblingsbuch in der Jugend Straßmairs „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams und der Klassiker „Der kleine Nick und die Mädchen“ von Sempé und Goscinny fanden großen Anklang.


In der dritten und vierten Jahrgangsstufe sorgten die Kinder selbst für eine lebhafte Lesung. Aufgefordert vom Münchner Autor Benedikt Weber, den viele aus dem Fernsehen kannten, begleiteten die Kinder seine Lesung aus der Reihe „Ein Fall für die schwarze Pfote“ mit Geräuschen wie Windheulen, quietschenden Bremsen und vor allem mit viel Gelächter. Denn die Alltagskomik der spannenden Geschichten rund um drei Kinder und ihren Hund Hugo traf genau den Humor der gespannt zuhörenden Kinder. So konnten sie gar nicht genug bekommen und bettelten, dass der Entertainer noch weitere Kapitel liest. Der Autor, der die sechs Bänder der Reihe in nur anderthalb Jahren schrieb, verriet ganz im Vertrauen, dass der siebte Teil schon fast fertig ist und schön gruselig sein wird. Ideen für einen achten Band bekam er gleich von den aufgeregten Fans: „ein Mord auf dem Bauernhof“, „Mumienräuber“ oder doch „ein  Verbrechen an der Montessorischule“?  


Dass auch die jüngsten Montessorischüler schon wahre Krimifans sind, das bekam die Erfolgsautorin der „Drei Ausrufezeichen“ Henriette Wich in der ersten und zweiten Klasse zu spüren. Sie stellte den 6. Band „Spion im Netz“ ihrer Krimiserie „Die unsichtbaren 4 “ vor. Die Mutter einer vierjährigen Tochter bezog ihre jungen Zuhörer dabei aktiv mit ins detektivische Geschehen ein und erklärte anschaulich Sachverhalte aus dem Themenkreis des Internets. Dass sie dabei genau das richtige Maß an Spannung hielt, bestätigte Manuel aus der ersten Klasse: „Es war spannend, aber nicht so spannend, dass man nachts nicht schlafen kann“ und „es war voll toll“ ergänzt sein Klassenkamerad Tristan euphorisch. Nach dem Vorlesen eines Kapitels  durften die Kinder dann selbst ihren kriminalistischen Spürsinn schulen und Frau Wich zeigte ihnen eine  einfache und wirkungsvolle Geheimschrift – sehr praktisch, wenn man dem Banknachbarn geheime Botschaften schicken möchte.
An einem in der Aula aufgebauten Büchertisch konnten sich die Kinder im Anschluss an die Lesungen Bücher oder Autogrammkarten von den Autoren signieren lassen. Der Ansturm zeigte, dass das breitgefächerte Angebot der Bücher AG bei den Schülern sehr gut angekommen ist. Monte School ist eben cool.