Ein Ort voller Licht und Freude

Tag der offenen Tür in der Montessorischule Hohenbrunn

Am Samstag, den 24. November 2012 öffnete die Montessorischule Hohenbrunn wie jedes Jahr wieder ihre Pforten für interessierte Eltern. Von 10 bis 14.30 Uhr hatten diese Gelegenheit, die Schülerinnen und Schüler bei der Freiarbeit zu beobachten und pädagogische sowie organisatorische Fragen mit der Schulleitung und den Lehrerinnen und Lehrern zu klären. Zudem gab es einen bunten Herbstmarkt mit diversen kulinarischen Köstlichkeiten, ein Kuchenbuffet, eine Tombola, einen Bücherflohmarkt, Adventskränzebinden, Aktivitäten für die Kinder und vieles mehr.

Schon von Weitem lockte ein süßer Popcorn-Duft die Besucher ins Schulhaus der Montessorischule Hohenbrunn. Und verführerisch ging es weiter: Vorbei an der Palatschomaschine – einem Pickup, auf dem eine "Palatschinken-Fabrik" mit jungen Köchen in weißen Schürzen und hohen Kochmützen aufgebaut war – führte der Weg hinein in die Aula der Schule. Nun hieß es erst einmal, sich zu orientieren. Die meisten der interessierten Eltern taten dies am Infostand der AG Öffentlichkeitsarbeit, die über das Programm informierte, Fragen zur Schule, zu den Anmeldeformalitäten und den Busplänen beantwortete. Viele der Gäste schlossen sich gleich im Anschluss einer Schulhausführung an, um sich von Zehntklässlern die Räumlichkeiten zeigen zu lassen. Andere wiederum ließen sich erst einmal im Musiksaal durch den Film "Ein Ort voller Licht und Freude" auf diese besondere Schule einstimmen.

Bei einer Hospitation hatten die Besucher im Lauf des Vormittags mehrfach Gelegenheit, bei der Freiarbeit zuzuschauen, zu beobachten, wie die Kinder den Lernstoff mithilfe des Montessorimaterials mit allen Sinnen „begreifen“. Die Freiarbeit ist das Kernstück der Montessori-Pädagogik. Sie erlaubt es den Kindern und Jugendlichen, ihrem eigenen Rhythmus entsprechend zu lernen und die Lernschwerpunkte selbst zu bestimmen. Beim Erlernen der Bruchrechnung beispielsweise lösen die Schülerinnen und Schüler die Rechenaufgabe, indem sie Teilstücke eines Kreises ausschneiden und aufkleben. Auch Multiplikationsaufgaben mit hohen Zahlen verlieren ihren Schrecken, wenn sie mit verschiedenfarbigen Murmeln nachgelegt werden. Die Kinder lernen sozusagen spielend. "Wenn ich den Kindern bei der Freiarbeit zusehe, wie sie vertieft sind, wie sie begreifen, wie ihnen ein Licht aufgeht, dann weiß ich, das passt", freut sich die Lehrerin Ute Meier.

Besonderes Augenmerk wird in der Schule auch auf das Miteinander gelegt. Dazu gehört, dass die älteren Schüler die jüngeren an die Hand nehmen. So bekommen alle Erstklässler einen Paten zur Seite gestellt. Und durch die Jahrgangsmischung übernehmen die "Großen" immer wieder einmal die Rolle des Lehrers, indem sie den "Kleinen" den Unterrichtsstoff erklären. Ein schönes Beispiel dafür ist das Pausenexperiment. Hier zeigen die Kinder ihren Mitschülern chemische Experimente. Ganz nebenbei lernen sie so, wie viel Spaß Chemie machen kann, wenn man z.B. die weiße Bluse der Lehrerin mit Zaubertinte bespritzen darf oder ihr einen Kaffee anbietet, der durch Einrühren des vermeintlichen Zuckers fest wird. Oder wie Pfefferminzbonbons Colaflaschen zum Explodieren bringen und wie man mit Aceton an Styropormännern "Schönheitsoperationen" durchführen kann.

Ein wichtiger Leitspruch der Montessori-Pädagogik ist "Hilf mir, es selbst zu tun." Wie dies in der Schule u.a. umgesetzt wird, zeigte Hilde Spielvogel. In den "Übungen des praktischen Lebens", die in der Grundschule in den Unterricht integriert werden, lernen die Kinder alltägliche Dinge wie Schuhe putzen, Schleifen binden oder Steinchen aufkehren. "Die Kinder sollen selbstständiger werden, den Alltag besser meistern können. Das gibt ihnen Sicherheit", so Hilde Spielvogel. Von zentraler Bedeutung sei dabei auch das Aufräumen, denn nur von der äußeren Ordnung komme man auch zur inneren Ordnung, zur Fähigkeit sich zu konzentrieren.

Auch Fremdsprachen kommen an der "Monte" nicht zu kurz – eine wichtige Voraussetzung für die Schulabschlüsse: Dank der Gründung der Montessori Oberschule (MOS) können die Schülerinnen und Schüler ihre Montessori-Laufbahn sogar mit dem Abitur abschließen. Kleine Sketche, Limericks und Zungenbrecher sorgten im Englisch- und Spanisch-Schnupperunterricht für große Erheiterung bei den Zuschauern.

Nach so viel Information zog es viele an diesem sonnigen und relativ warmen Tag auf den Pausenhof, wo ein bunter Herbstmarkt mit allerlei Angeboten lockte: Von Schmuck über Filzprodukte und Glaskunst bis hin zu selbst gemachtem Orangen-Rosmarin-Salz, Schlehenlikör und köstlichen Marmeladen gab es viele schöne Geschenke zu erstehen. Und natürlich durfte auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen: Popcorn, Crêpes, Sate-Spieße, Raclette, Hotdogs und Glühwein bzw. Kinderpunsch luden zum Verweilen ein. In der Turnhalle wartete ein reichhaltiges Kuchenbuffet auf Hungrige, und Schüler verkauften Toasts und selbst gekochte Kürbissuppe. Außerdem gab es einen Bücherflohmarkt, man konnte unter Anleitung Adventskränze basteln, mit dem Kauf von Bioschokolade "Plant for the Planet" unterstützen, am Stand daneben afrikanisches Kunsthandwerk für ein Hilfsprojekt in Kenia erstehen. Bei einer Tombola sowie am Glücksrad des Fördervereins warteten tolle Preise auf die Gewinner.

Um 14.30 Uhr neigte sich der Tag der offenen Tür dem Ende zu, und die Besucher gingen mit vielen Eindrücken von einer etwas anderen Schule nach Hause. So manchem wird vielleicht der Satz eines Schüler aus dem Film im Gedächtnis geblieben sein: "Ich freue mich eigentlich jeden Tag, in die Schule zu gehen." Und das ist schließlich die Hauptsache.

 Text: Anissa Nasser, Fotos: Gunter Hahn und Marion Adlkirchner